Eidgenössische Volksabstimmung – offline statt online
1. September, 2009 | Thomas Hutter | Kommentare deaktiviert
In rund 3 Wochen, am 27. September 2009, stimmt das Schweizer Stimmvolk an der Eidgenössischen Volksabstimmung „Bundesbeschluss über eine befristete Zusatzfinanzierung der Invalidenversicherung durch Anhebung der Mehrwertsteuersätze“ ab. Eine Begutachtung der drei relevanten Webseiten „Ja zur IV-Zusatzfinanzierung“, „JA AHV sichern, IV sanieren“ und „Nein zu 8% Mehrwert-Steuer“ lassen vermuten, dass der Wahlkampf immer noch „offline“ stattfindet.
Ja zur IV-Zusatzfinanzierung
3-sprachig DE/FR/IT und eine Version für Sehbehinderte
Inhalte:
Sehr informative und inhaltsreiche Website – viele Verlinkungen zu Partner, Befürworter
- Argumente
- Trägerschaft
- 3 Videobeiträge
- Pressemeldungen / Texte / Referate
- Bestellmöglichkeit von Flyer, Plakaten und Klebeetiketten
- Download von Kurzargumentarium, Argumentarium, Testimonials, Flyer, Plakate
- Newsletter
Design:
schlicht, Â emotionslos
Viralmechanismen:
E-Cards
Befürworter-Mail-Sender
Facebook-Nutzung:
Facebook-Gruppe „Ja zur IV-Zusatzfinanzierung / OUI au financement additionnel de l’AI“
- 1879 Mitglieder
- Diskussionen, Pinnwandbeiträge
- Inhalte Deutsch und Französisch
Facebook-Integration in Website:
NEIN
Twitter-Integration:
NEIN
Â
JA AHV sichern, IV sanieren
http://www.rentensicherheit.ch
2-sprachig DE/FR
Inhalte:
- Argumente
- Trägerschaft
- 1 Videobeitrag
- Pressemeldungen / Texte
- Bestellmöglichkeit von Musterreferaten, Kurzargumentarium, Flyer, Argumentarium BSV, A3 Plakate und F3-Plakate via PDF (???)
- Download von Argumentarium, Flyer, Plakaten, E-Mail-Signatur
Design:
schlicht, Â emotionslos
Viralmechanismen:
keine
Facebook-Nutzung:
Facebook-Gruppe „Ja zur IV-Zusatzfinanzierung / OUI au financement additionnel de l’AI“
- 391 Mitglieder
- Diskussionen, Pinnwandbeiträge
- Inhalte nur Deutsch
Facebook-Integration in Website:
NEIN
Twitter-Integration:
NEIN
Â
Nein zu 8% Mehrwert-Steuer
3-sprachig DE / FR / IT
Inhalte:
- 1 Videobeitrag
- Pressemeldungen / Texte / Referate
- Pressespiegel
- Bestellmöglichkeit von Flyer, Plakaten und Bierdeckel
- Download von Kurzargumentarium, Argumentarium, Foliensatz (PowerPoint/PDF), Flyer, Plakate, Inserate, Bierdeckel (???)
Design:
- schlicht, Â emotionslos
Viralmechanismen:
NEIN
Facebook-Nutzung:
Facebook-Gruppe „AHV plündern – Steuern erhöhen? NEIN!“
- 817 Mitglieder
- Keine Diskussion
- Inhalte nur Deutsch
Facebook-Integration in Website:
NEIN
Twitter-Integration:
NEIN
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Steinzeitliche Konzeption
Die Websites der Pro-/Kontra-Komitees zu Eidg. Volksabstimmungen haben sich in den letzten 8 Jahren kaum verändert; 2001 war ich verantwortlich für die Konzeption und Umsetzung der Websites „Strassen für alle – NEIN“ und „AHV Revision NEIN“, 2002 für  „Strom ohne Atom / Moratorium Plus 2 x NEIN“ und „Lehrstellen-Initiative NEIN“, 2004 für „Avanti“ – das Konzept von damals wurde bis auf Ausdehnung auf Facebook-Gruppen ohne weitere Anpassungen bis heute weitergeführt.
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Einbindung von Social Networks
Alle drei Mitstreiter der kommenden Abstimmung nutzen zwar Facebook mit entsprechenden Gruppen, eine Quereinbindung von Facebook in die entsprechenden Kampagnen-Homepages findet, abgesehen von einer einfachen Verlinkung, nicht statt. Das Anwerben von Mitgliedern für diese Facebook-Gruppen findet nur gerade über die Homepages statt, eine eigentliche Bewerbung innerhalb von Facebook ist mir bis heute nicht aufgefallen – gerade hier wäre die Schaltung von entsprechenden Anzeigen aufgrund der sehr guten Zielgruppensegmentierungsmöglichkeiten durchaus möglich und effektiv. Virale Mechanismen, aber auch einfache Weiterempfehlungs- bzw. Sharing-Funktionalitäten werden nicht berücksichtigt.
Auch auf die Einbindung von Twitter als mögliche Parolen-Transport-Plattform wird komplett vernachlässigt.
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Online Marketing
Bannerwerbung auf reichweitenstarken Websites ist mir bis heute nicht aufgefallen – auch hier, verschenktes Potential, wären doch einige Online-Plattformen in Folge des Sommerlochs und dem Einbruch im Anzeigenmarkt sicherlich mit interessanten Konditionen zu ködern…
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Fazit
Politische Werbung im Internet befindet sich in der Schweiz immer noch in den Kinderschuhen. Die Pro-/Kontra-Komitees plakatieren nach wie vor lieber tausende Quadratmeter an APG-Säulen und –Wänden und füllen Zeitungen mit einfallslosen (und teuren) Inseraten. Erste Gehversuche im Internet beruhen eher auf der Initiative von einzelnen Komiteemitglieder, fallen aber gerade aus diesem Grund eher unprofessionell aus und dürfte darum auch nicht den gewünschten oder erhofften Effekt bringen und zukünftige Investitionen weiter bremsen oder verhindern.
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