Google Analytics: 73% der Schweizer Parteien betreiben keine Webanalyse. Analyse-Steinzeit in der Schweizer Politik!

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Während in Deutschland die 6 grössten Parteien alle Webanalyse-Software einsetzen (die SPD, Bündnis 90 die Grünen, FDP und “Die Linke” setzen auf Piwik, die CDU arbeitet mit Etracker und die CSU arbeitet mit Google Analytics) sieht es in der Schweizer Parteienlandschaft düsterer aus. Von den 11 in der Bundesversammlung vertretenen Parteien nutzen gerade mal knapp die Hälfte (55%) überhaupt eine Webanalyse-Software und wenn, dann hauptsächlich Google Analytics. Die andere Hälfte verzichtet komplett auf die Analyse ihrer Webseiten Besucher. Nicht einmal alle Parteien welche einen Sitz im Bundesrat beanspruchen bringen es fertig Webanalyse zu integrieren und für ihre eigenen Zwecke zu verwenden (CVP).

Einsatz Webanalyse Tools der Schweizer Parteien

Einsatz Webanalyse Tools der Schweizer Parteien

Warum werden keine Webanalyse-Tools eingesetzt?

So ziemlich alle Webseiten der Schweizer Parteienlandschaft sind mit einem CMS erstellt (TYPO3, Drupal, Joomla, WordPress). Es werden  JavaScript-Bibliotheken wie jQuery, Prototype oder Scripaculous eingesetzt. Einige binden sogar angepasste oder selbst entwickelte JavaScript-Code-Snippeds oder Social Shareing Funktionalitäten korrekt in die eigene Seite ein. Es scheint also genügend technisches Verständnis vorhanden zu sein um auch einen Analytics Trackingcode von z.B. Google Analytics einzubinden.  Liebe Partei-Webmaster oder Agenturen, vielleicht könnt ihr mir ja einen Grund dafür nennen.

Warum sollten denn Parteien überhaupt Webanalyse-Tools einsetzen?
Die Webanalyse dürfte Parteien tiefere Einblicke in das Interesse von verschiedenen Themen innerhalb der eigenen Webseite geben. Ebenfalls könnten Parteien sehen, ob bestimmte Kampagnen einen positiven oder negativen Einfluss auf die Besucherzahlen der Seite haben. Sicherlich wäre es interessant zu sehen, wie sich die Besucherzahlen vor, während und nach eidgenössischen Parlamentswahlen oder Volksabstimmung entwickeln. Haben bestimmte Medienwirksame Themen (z.B. Fall Zuppiger bei der SVP) ebenfalls einen Einfluss auf die eigene Partei-Webseite?

Hier ein paar weitere Fragestellung bei welchen die Webanalyse tiefere Einblicke liefert:

  • Welche Brochuren und Informations-Blätter werden heruntergeladen?
  • Welche Beiträge und Informationen stossen auf grosses Interesse?
  • Werden auf Werbebanner geklickt, wenn ja, von wem, neue oder wiederkehrende Besucher?
  • Kann durch eine Umpositionierung eines Banner oder Buttons eine höhere Klickrate erzielt werden?
  • Werden gewisse Artikel auf der Webseite innerhalb von sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und co. geteilt, wenn ja, mit welchem Medium am meisten?
  • Welche Bereiche der Seite werden so gut wie nie besucht? Könnte man eventuell Ressourcen optimieren in vielbesuchte Bereiche?
  • Bei welchem Schritt brechen Personen ab welche Mitglieder werden möchten?
  • Was könnte der Grund sein das ein Besucher zwar auf das Spendenformular kommt, dann jedoch trotzdem nicht spendet?
  • Kann eine Verkürzung des Registrations-Prozess oder die Umpositionierung des „Spenden“ Buttons einen positiven Einfluss auf die Konvertierungsrate haben?
  • Was ist die beste Zeit um auf gewisse neue Themen aufmerksam zu machen?
  • usw. usw.

Durch erweiterte Segmente, Benutzerdefinierte Variablen usw. könnte man obige Fragestellung noch auf  bestimmte Altersgruppen, Mitglieder/Nichtmitglieder oder welche Personen aus bestimmten Regionen aufsplitten. Stossen z.B. Themen wie Ausbau des Flughafens Zürich, Anflugschneisen usw. bei den betroffenen Personen auf mehr Interesse oder hält sich das generell die Waage.

Die gesammelten, aufbereiteten und analysierten Daten geben nicht nur einen Einblick in die Vergangenheit sondern können einem auch die Möglichkeit geben fokussierter auf Themen einzugehen bei welchen bereits ein gewisses Interesse besteht. Ebenfalls können die Daten dazu genutzt werden um die „Werbung“ für eigene Vorstösse wie z.B. Volksinitiativen da zu schalten, wo sich die Besucherströme auf der eigenen Webseite befinden, wenn möglich immer mit der jeweiligen Zielgruppen- und Themen-Relevanz.

Auflistung von Schweizer Parteien und deren Nutzung von Webanalyse-Software

In der Bundesversammlung vertretene Parteien
55% der in der Bundesversammlung (mindestens ein National- oder Ständeratssitz) vertretenen Parteien nutzen die Webanalyse. Davon setzen alle, ausser der BDP, auf Google Analytics. Jedoch werden auch beim Einsatz von Google Analytics noch „Fehler“ gemacht. Entweder es wird nicht der aktuellste Google Analytics Code verwendet (EVP, LEGA, SVP) oder noch schlimmer, der Trackingcode wird sogar nur auf der Startseite eingebunden (FDP).

Auf den Einsatz von erweiterten Tracking-Möglichkeiten wie Event-Tracking, Benutzerdefinierten Variablen, Anonymisierung der IP-Adressen, Performance-Tests usw. wird gänzlich verzichtet bzw. konnte ich keinen Event-Tracking Code auf den Seiten finden.

Einsatz Webanalyse Tools von Parteien mit Vertretung in der Bundesversammlung

Einsatz Webanalyse Tools von Parteien mit Vertretung in der Bundesversammlung

Welche Parteien setzen Webanalyse ein

Welche Parteien setzen Webanalyse ein

BDP (Bürgerlich-Demokratische Partei)
Eigenes CMS Analyse Tool

CVP (Christlichdemokratische Volkspartei)
Gar keine Webanalyse

CSPO (Christlichesoziale Partei Obwalden)
Gar keine Webanalyse

EVP (Evangelische Volkspartei)
Einsatz von Google Analytics (alter Tracking Code, synchron) im Standart-Setup. Es werden weder Event-Tracking noch Benutzerdefinierte Variablen eingesetzt.

FDP (FDP. Die Liberalen)
Einsatz von Google Analytics (neuer Tracking Code, asynchron) im Standart-Setup. Es werden weder Event-Tracking noch Benutzerdefinierte Variablen eingesetzt. Der Google Analytics Code scheint fälschlicherweise jedoch nur auf der Startseite eingebunden zu sein.

GPS (Grüne Partei der Schweiz)
Gar keine Webanalyse

GLP (Grünliberale Partei)
Gar keine Webanalyse

LEGA (Lega dei Ticinesi)
Einsatz von Google Analytics (alter Tracking Code, synchron) im Standart-Setup. Es werden weder Event-Tracking noch Benutzerdefinierte Variablen eingesetzt.

MCR/MCG (Mouvement Citoyens Romands/Genevois)
Gar keine Webanalyse

SP (Sozialdemokratische Partei der Schweiz)
Einsatz von Google Analytics (neuer Tracking Code, asynchron) im Standart-Setup. Es werden weder Event-Tracking noch Benutzerdefinierte Variablen eingesetzt.

SVP (Schweizerische Volkspartei)
Einsatz von Google Analytics (alter Tracking Code, synchron) im Standart-Setup. Es werden weder Event-Tracking noch Benutzerdefinierte Variablen eingesetzt.

Nationale Jungparteien
Die Situation bei den Jungparteien sieht noch viel düsterer aus. Hier ist die einzige Partei, welche auf Webanalyse setzt ist die JUSO! Hier hätte ich damit gerechnet, dass das Bild 180° anderst aussieht, denn ausser meiner Sicht sollten doch die jungen Parteien auch die Vorreiter in diesem Gebiet sein. Wenn es „die alten“ schon nicht hinkriegen, dann wenigstens die „Jungen“. Aber auch hier, Webanalyse leider komplett fehl am Platz.

Einsatz Webanalyse Tools von Jungparteien

Einsatz Webanalyse Tools von Jungparteien

Welche Jungparteien setzen Webanalyse ein

Welche Jungparteien setzen Webanalyse ein

JCVP (Junge Christlichdemokratische Volkspartei)
Gar keine Webanalyse

JEDU (Junge Eidgenössisch Demokratische Union)
Gar keine Webanalyse

JEVP (Junge Evangelische Volkspartei)
Gar keine Webanalyse

Junge Grüne
Gar keine Webanalyse

JSD (Junge Schweizer Demokraten)
Gar keine Webanalyse

JSVP (Junge Schweizerische Volkspartei)
Gar keine Webanalyse

Jungfreisinnige (JF)
Gar keine Webanalyse

JUSO
Einsatz von Google Analytics (alter Tracking Code, synchron) im Standart-Setup. Es werden weder Event-Tracking noch Benutzerdefinierte Variablen eingesetzt.

Nationale Parteien und Bewegungen (nicht in der Bundesversammlung vertreten)

Auch hier sieht es ziemlich düster aus. Gerade mal 27% der Parteien welche nicht in der Bundesversammlung vertreten sind, setzen auf Webanalyse. Namentlich sind dies die HPS, Parteifrei.ch, die SLB sowie die TPS. Mich hat erstaunt, dass z.B. die Piratenpartei keine Webanalyse nutzt, dafür aber die Tierpartei sogar den neuesten Google Analytics Code einsetzt. Parteifrei.ch sogar AnonymizIP einsetzt, dies als einzige Partei in der Schweiz welche Webanalyse, allem voran Google Analytics nutzt.

Einsatz Webanalyse Tools Schweizer Parteien ohne Sitz in der Bundesversammlung

Einsatz Webanalyse Tools Schweizer Parteien ohne Sitz in der Bundesversammlung

 

Welche Parteien ohne Sitz in der Bundesversammlung setzen Webanalyse ein

Welche Parteien ohne Sitz in der Bundesversammlung setzen Webanalyse ein

AL (Alternative Linke)
Gar keine Webanalyse

AP (Auto-Partei)
Gar keine Webanalyse
Edit – 16.01.2012 – 16:42 : Mir ist da ein Fehler unterlaufen, die AP nutzt Piwik für die Webanalyse.

CSP (Christlichesoziale Partei Schweiz)
Gar keine Webanalyse

EDU (Eidgenössisch-Demokratische Union)
Gar keine Webanalyse

Familiä-Partei
Gar keine Webanalyse

HPS (Humanistische Partei der Schweiz)
Einsatz von Statcounter-Script, Einsicht hier.

KVPS (Katholische Volkspartei der Schweiz)
Gar keine Webanalyse

PdA (Partei der Arbeit der Schweiz)
Gar keine Webanalyse

PNOS (Partei National Orientierter Schweizer)
Gar keine Webanalyse

Parteifrei.ch
Einsatz von Google Analytics (neuer Tracking Code, asynchron) im Standart-Setup. Es werden weder Event-Tracking noch Benutzerdefinierte Variablen eingesetzt. Als Zusatz nutzt die Seite jedoch die „anonymizeIp“-Funktion von Google Analytics.

PPS (Piratenpartei Schweiz)
Gar keine Webanalyse

SD (Schweizer Demokraten)
Gar keine Webanalyse

SLB (Sozial-Liberale Bewegung)
Einsatz von Google Analytics (neuer Tracking Code, asynchron) im Standart-Setup. Es werden weder Event-Tracking noch Benutzerdefinierte Variablen eingesetzt.

Subitas (Nachfolger der Männerpartei)
Gar keine Webanalyse

TPS (Tierpartei Schweiz)
Einsatz von Google Analytics (neuer Tracking Code, asynchron) im Standart-Setup. Es werden weder Event-Tracking noch Benutzerdefinierte Variablen eingesetzt.

Fazit

Im Bereich der Webanalyse herrscht in der Schweizer Parteienlandschaft noch so ziemlich Steinzeit. Was auch immer hier die Gründe sind, für mich gibt es keinen Grund, NICHT auf die Webanalyse zurückzugreifen. Es werden jedes Jahr zig-tausende Franken in Werbeplakate investiert, zig hundert Stunden diese dann auch noch am richtigen Ort aufzustellen, teilweise mehrfach zu ersetzen und zu guter Letzt wieder zu entfernen. Da dürfte doch wohl auch noch die Zeit sein wenigstens mal den Analysecode KORREKT in die eigene Seite einzubinden. Es muss ja nicht gleich von Anfang an eine grosse Webanalyse-Strategie entwickelt werden, aber mit der Integration wäre wenigstens mal die Basis dafür geschaffen.

Ich bin der Meinung, dass einige Parteien einiges an Geld bei Relaunches sparen könnten oder wenigstens wüssten wo wirklich Nachholbedarf besteht. Aber anscheinend spielt Geld auch hier keine grosse Rolle. Was aber wichtig  ist, Inhalte und die Parteiwebseiten könnten auf den Besucher / Interessierten optimiert werden. Was bringen Seiten und Inhalte die niemanden interessieren?

Durch Webanalyse tiefere Einblicke erhalten, die eigene Webseite optimieren, Zeit sparen, Beiträge publizieren die auch Aufmerksamkeit generieren und somit einen langfristigen und nachhaltigen Erfolg haben. Wer wünscht sich das nicht.

Gerne bin ich bereit euch bei der Umsetzung und Integration von Google Analytics zu helfen, schreibt mir einfach eine Mail.

Autor: Florian Muff (42 Posts)

Florian Muff ist Berater und Projektleiter und somit Schnittstelle zwischen Konzeption/Strategie und Umsetzung. Neben der Projektleitungs- und Beratungstätigkeit im Umfeld von Facebook erarbeitet er Strategien und Konzepte rund um Suchmaschinenmarketing (Suchmaschinen-Werbung, Suchmaschinen-Optimierung), Web-Analyse und User-Interface Design für Webseiten und Online Applikationen und erarbeitet Zweitmeinungen. Er doziert für die Migros Klubschule und schreibt Artikel zu Suchmaschinenmarketing und Webanalyse.

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