Themen

Facebook überarbeitet wieder einmal die Nutzungsbedingungen (Erklärung der Rechte und Pflichten) und sorgt einmal mehr für unruhige Nächte bei den Datenschützern. In der Erklärung auf der Seite “Facebook Site Governance” spricht Facebook hauptsächlich von administrativen Änderungen, welche die Praktiken und Richtlinien transparenter machen sollen.

Administrative Änderungen

Folgende Punkte werden von Facebook als relevant hervorgehoben:

Teilen deiner Inhalte und Informationen. Hier haben wir die Formulierung aktualisiert, um sie deutlicher zu machen und in Einklang mit dem zu bringen, was lange Zeit in unseren Datenverwendungsrichtlinien und unseren Praktiken dargestellt wurde – nämlich, dass du, oder Freunde, die du dazu berechtigt hast, deine Informationen zu sehen, bei Nutzung einer Anwendung deine Informationen mit dieser Anwendung teilst; dem hast du mit der Installation der Anwendung zugestimmt.
Sicherheit. In diesem Abschnitt haben wir die Wortwahl von „hasserfüllte“ Inhalte zu „Hassreden bzw. Hassbotschaften“ geändert, da dieser Begriff unserer Meinung nach besser unsere Richtlinie zu verbotenen Inhalten widerspiegelt, die sich nicht geändert hat. Dies entspricht auch unseren neuen „Gemeinschaftsstandards“.
Besondere Bestimmungen für soziale Plug-ins. Dieser Abschnitt galt zuvor für „Teilen“-Links, aber die dort aufgeführten Bestimmungen gelten auch für die Verwendung aller sozialen Plug-ins. Deshalb haben wir Verweise auf „Teilen“-Links durch soziale Plug-ins ersetzt.
Besondere Bestimmungen für Software. Wir möchten sicherstellen, dass unsere Produkte – zu denen eventuell auch herunterladbare Produkte zählen – auf dem neuesten Stand sind. Wir haben diesen Abschnitt hinzugefügt, um darüber zu informieren, dass wir auch Upgrades und Aktualisierungen zu deinen heruntergeladenen Produkten anbieten können, sobald diese verfügbar sind. Außerdem haben wir eine Bestimmung hinzugefügt, die Nutzern den Versuch verbietet, einen geschützten Quellcode von unseren Produkten zu erlangen, es sei denn, wir haben dem Nutzer eine ausdrückliche Genehmigung erteilt.

Facebook schreibt dazu:

Wir glauben, dass diese Aktualisierungen zum besseren Verständnis der Funktionsweise von Facebook beitragen werden. Im Zuge unseres Prozesses zur Regelung der Nutzung von Facebook kannst du dir diese geplanten Aktualisierungen durchsehen und uns mithilfe der „Kommentar“-Funktion dein Feedback zu diesen übermitteln, bevor wir die Änderungen endgültig einführen.

Facebook hat dazu ein Dokument veröffentlicht, welche die Änderungen in den englischen Nutzungsbedingungen visualisiert:

Facebook "Statement of Rights and Responsibilities" Tracked Changes

Wieder viel TamTam um wenig Fleisch

Glaubt man der Berichterstattung in verschiedenen Medien, handelt es sich bei den Änderungen um riesige Umstellungen, die Facebook noch viel mehr Daten liefern sollen. Liest man allerdings die einzelnen Beiträge durch, kann man davon ausgehen, dass ein Artikel von einem Journalisten verfasst wurde und anschliessend die anderen Journalisten sich am Ursprungsartikel bedient haben…

Einige Artikel zum Thema:

Spiegel.de – Facebook will noch mehr Nutzerdaten weitergeben
Zeit.de – Facebook gibt nicht mal mehr vor, Daten zu schützen
abendblatt.de – Schon wieder Änderungen der Nutzungsbedingungen bei Facebook”
focus.de – Schon wieder Ärger mit Datenschutz: Facebook führt Nutzer „an der Nase herum“
sueddeutsche.de – Facebook erweitert Zugriff auf Nutzerdaten
heise.de – Datenschützer verstärken Kritik an Facebook

Auf den ersten Blick, ohne Kenntnisse der Funktionen und Funktionsweisen einzelner Komponenten in Facebook, scheint dies zu stimmen, allerdings handelt es sich meiner Meinung nach bei den Änderungen um Verdeutlichungen bereits existierender Gegebenheiten. Interessanterweise stören sich die darin zitierten Datenschützer mehr an der Vorgehensweise wie Facebook neue Nutzungsbedingungen einführt und wie darüber diskutiert werden kann, als an den eigentlichen Änderungen. Allerdings war es in der Vergangenheit bei Facebook (und bei anderen grossen Plattformen und Anbietern wie z.B. Google) auch so, dass der Benutzer informiert wurde, dass Nutzungsbedingungen ändern. Anschliessend machte ein Hinweistext auf die geänderten Nutzungsbedingungen aufmerksam, die Änderungen mussten daraufhin akzeptiert werden.

Interessant sind auch die Reaktionen auf die Ankündigung der Seite “Facebook Site Governance” für die einzelnen Länder/Sprachen. Während auf der deutschsprachigen Ankündigung über 36’000 Kommentare abgegeben wurden (immerhin ca. 1.3 Promille der deutschsprachigen Facebooknutzer), hat die Ankündigung in französischer Sprache nur gerade 98 Kommentare, in  der italienischen Sprache 101, in der spanischen Sprache 189 und in englischer Sprache 534 Kommentare erzeugt – eigene Gedankengänge zum Thema sind hier natürlich erlaubt…

Wie geht es weiter?

Facebook wird wie in der Vergangenheit die Änderungen global durchziehen, die Nutzer werden weiterhin ohne sich Gedanken zu machen Facebook nutzen und täglich Milliarden von Interaktionen ausführen, die Datenschützer mit den Zähne knirschen und weiterhin versuchen Staub aufzuwirbeln und die deutschsprachigen Medien werden wie hungrige Köter darauf warten, bis das nächste mal ein Happen mit Schlagzeilepotential vom bösen Social Network aus dem Menlo Park kommt…

Autor: Thomas Hutter 1701 Posts
Thomas Hutter (40) ist Inhaber und Geschäftsführer der Hutter Consult GmbH. Er berät grosse und mittlere Unternehmen, Organisationen und Agenturen in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Niederlanden rund um den strategischen und nachhaltigen Einsatz von digitaler Kommunikation und digitalem Marketing in und mit sozialen Netzwerken.
Diese Webseite nutzt Cookies, Remarketing & Analytics. Wenn Du weiter auf dieser Seite bleibst, stimmst Du den Datenschutzbestimmungen zu. Datenschutz akzeptieren