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Sucht man in Facebook nach Kantons- oder Stadtpolizei, findet man aktuell nur wenige Treffer. Die Schweizer Kantons- und Stadtpolizeien tun sich äusserst schwer mit Facebook. Bei meinen Recherchen konnte ich trotz Graph Search Beta nur wenige Präsenzen finden, aufgelistet habe ich nur Seiten mit über 200 Likes:

Kantonspolizei Zürich – Kapo ZH2’478 Likes
Kantonspolizei St.Gallen673 Likes
Kapo Schwyz3’428 Likes
Kantonspolizei Basel-Stadt Karriere6’835 Likes
Kantonspolizei Basel-Stadt / JPP286 Likes
Kantonspolizei Wallis404 Likes
Schaffhauser Polizei341 Likes
Stadtpolizei Zürich2’412 Likes
Stadtpolizei Zürich / Präventation213 Likes

Schweizer Polizeistellen eher hilflos auf Facebook

Bei der Durchsicht der Seiten ist mir aufgefallen, dass die Seiten sehr “einfallslos” betrieben werden und das einige der Polizeistellen nicht an Dialog interessiert sind – die Chroniken sind beispielsweise bei der Stadtpolizei Zürich, der Kantonspolizei Wallis und der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden für Besucher gesperrt. Warum einfallslos? Ausser auf der Karriere-Seite der Kantonspolizei Basel-Stadt findet man grundsätzlich nur statische Inhalte wie eine Willkommensseite oder Netiquette. Viele der Seiten sind eher “lieblos” aufgebaut. Nett hingegen ist das Gewinnspiel “Heldensprüche” auf der Karriereseite der Kantonspolizei Basel-Stadt, einen wirklichen Mehrwert über Applikationen oder erweiterte Informationen bietet keine der Polizeistellen an.  Ebenfalls unschön ist, dass viele der Administratoren ihre Facebook Seiten/Orte nicht geclaimt haben und die Facebook Seiten mit ein wenig Geschick  von Drittpersonen geklaut werden könnten – für eine Polizeistelle wäre das dann eher peinlich… Erfreulich dagegen ist der Umstand, dass bis auf wenige Ausnahmen sämtliche Polizeistellen regelmässig News und Informationen publizieren und sich dabei nicht nur auf reine Pressemeldungen beschränken.

Viel ungenutztes Potential!

In einem Gespräch hat letzthin jemand gesagt “man wird halt auch nicht Fan von der Polizei”, dass dies nicht stimmt, zeigen Facebook Seiten von Polizeien im Ausland. Alleine ein kleiner Blick über die Grenzen zu unseren Nachbarn in Deutschland zeigt, dass eine Polizei-Organisation grundsätzlich Fans haben kann. Bei einer kurzen Recherche dazu, sind mir folgende Seiten aufgefallen:

Polizei Hannover112’196 Likes
Polizei Mecklenburg-Vorpommern21’652 Likes
Polizei Niedersachsen Karriere15’460 Likes
Polizei Niedersachsen Fahndung10’138 Likes

Auch die gelisteten Seiten der Polizeistellen in Deutschland sind eher lieblos und statisch aufgebaut, allerdings zeigt das Beispiel der Polizei Hannover und Niedersachsen, dass eine Seite sehr wohl als Unterstützung für die Fahndung eingesetzt  und auch eine grössere Anzahl an Facebook Nutzer involviert werden kann.

Wie viel Potential allerdings verschenkt wird, zeigt ein Blick nach Übersee. Das Brimfield Police Department (Ohio / USA – 32’374 Likes) integriert auf einfache Art und Weise die “Submit a Tip”-Funktion der Website, über welche Tipps zu möglichen Verbrechen an die Polizei übermittelt werden können. Die Tipps können auf Wunsch anonym übermittelt werden. Das Brimfield Police Department berichtet über Facebook auch laufend über die aktuelle Verkehrssituation und “internas”. Das auch eine Polizeidienststelle ziemlich locker kommunizieren kann, zeigt das Brimfield Police Department eindrücklich.

Brimfield Police Department

Brimfield Police Department

Zwar ebenfalls ohne zusätzliche “Mehrwertapplikationen”, dafür mit einer starken Kommunikation über die Chronik sind die Polizeistellen Philadelphia Police Department (51’125 Likes), Chicago Police Department (32’497 Likes), Houston Police Department (33’260 Likes) oder das New York Police Department NYPD (161’510 Likes). Die Seite mit den meisten Likes in den USA gehört mit 316’340 dem FBI – Federal Bureau of Investigation. Auch hier wird hauptsächlich auf Pinnwand-Kommunikation gesetzt, zu finden ist nur gerade zusätzlich der eingebunde Twitter-Feed und der YouTube-Channel.

FBI - Federal Bureau of Investigation

FBI – Federal Bureau of Investigation

Best Practice aus einem “Entwicklungsland”

Das mit Abstand beste Beispiel, was ich auf meiner Recherche entdeckt habe, kommt aus einem hier sogenannten Entwicklungsland, nämlich aus Kolumbien. Die Facebook Seite der “Policía Nacional de los Colombianos” zählt fette 470’ooo Fans. Kolumbien ist allerdings in Sachen Facebook kein Entwicklungsland mehr, trotz deutlich weniger Online Populations als Deutschland beträgt die Durchdringung von Facebook  jetzt schon bereits 40%, das Statistiktool von Socialbakers beziffert die Penetration der Online Population in Kolumbien auf über 100% ;-).

Policía Nacional de los Colombianos

Policía Nacional de los Colombianos

 

Beispiel für teilbare Inhalte

Beispiel für teilbare Inhalte

Mehrfach täglich publiziert die Kolumbianische Nationalpolizei top aktuelle News, Internas, Stories, Warnungen, etc. etc. Dabei versteht die Kolumbianische Nationalpolizei es sehr gut, teilbare Inhalte zu schaffen. Warnmeldungen werden öfters als Comic oder Illustration dargestellt, welche dann auch entsprechend geteilt werden. Neben einer hervorragenden Kommunikation an der Chronik verfügt die Seite über ein riesiges Bilderarchiv, informiert über die vielzähligen Berufsmöglichkeiten, erlaubt über das “Sisteme de Peticiones, Quejas, Reclamos y Sugerencias (PQRS)” Reklamationen, Verbesserungsvorschläge und Anfragen, Nutzer die dabei die Facebook Applikation freigeben, müssen einige der Felder nicht ausfüllen. Die Kolumbianische Nationalpolizei hat innerhalb der Facebook Seite auch den LiveStream zum Polizei-TV-Kanal integriert. Aktuelle Beiträge können so direkt auf der Facebook Seite betrachtet werden. Selbstverständlich ist auch der Twitter-Kanal mit über 52’000 abgesetzten Tweets und stolzen 241’843 Followern in die Seite integriert.

 

Fazit viel (ungenutztes) Potential

Die gezeigten Beispiele demonstrieren, dass in der Schweiz, aber auch in Deutschland, noch viel ungenutztes Potential für die Polizei in Facebook steckt. Polizeiorganisationen sollten sich ernsthafte Gedanken machen, wie Facebook sinnvoll für die eigenen Zwecke genutzt werden können. Für den Benchmark sollten dabei allerdings keine Beispiele aus dem eigenen Land verwendet, sondern Beispiel aus Übersee gesucht werden.  Polizeistellen, die bereits aktiv sind, sollten unbedingt die Einstellungen der Seiten überprüfen und ihre Präsenzen gegen Diebstahl schützen – andernfalls sind die Seiten schneller weg als der Polizei lieb ist…

 

Autor: Thomas Hutter 1701 Posts
Thomas Hutter (40) ist Inhaber und Geschäftsführer der Hutter Consult GmbH. Er berät grosse und mittlere Unternehmen, Organisationen und Agenturen in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Niederlanden rund um den strategischen und nachhaltigen Einsatz von digitaler Kommunikation und digitalem Marketing in und mit sozialen Netzwerken.
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