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Gestern konnte man auf 20min.ch über den angeblichen Posting-Clou des Schweizer Rappers Patrick Miller lesen.

Screenshot 20min.ch

Screenshot 20min.ch

 

In einem Pinnwandbeitrag schreibt er “Der letzte Kommentar gewinnt 1000 CHF! Viel Glück…”.

Schauen wir doch einmal hinter die Schlagzeile über den erfolgreichen Beitrag und analysieren mit quintly.com wie erfolgreich dieser Beitrag wirklich war.

Ausgangslage 110’456 Fans

Am Tag des ominösen Beitrags, am 25.09.2013, zählte die Facebook Seite von Patrick Miller 110’456 Fans,  am 30.06.2013 waren es 104’443. Aktuell sind es 112’145, dh. seit dem Gewinnspiel-Beitrag sind 1’689 Fans dazugekommen.

Fanpage Patrick Miller - Wachstum der Fans im Zeitraum 30.06. bis 30.09.2013 (Quelle: quintly.com)

Fanpage Patrick Miller – Wachstum der Fans im Zeitraum 30.06. bis 30.09.2013 (Quelle: quintly.com)

Das Posting hat bis zum jetzt 5’615 Likes und 35’968 Kommentare provoziert. Anhand der Likes und Kommentare kommt der Laie wahrscheinlich schnell zum Schluss, dass das Posting sich also extrem viral verbreiten müsste. Allerdings weit gefehlt. Kommentare und Likes sind nur bedingt News Feed wirksam, dh. Interaktionen in Form von Likes und Kommentare auf einer Seite sind im News Feed nur für andere Nutzer sichtbar, welche ebenfalls Fans der entsprechende Seiten sind. Alle anderen Nutzer sehen diese Interaktionen nur gerade im Ticker, die Halbwertzeit einer Tickermeldung ist sehr sehr kurz. Nutzer, die bereits auf den neuen News Feed umgestellt wurden, sehen nur noch, und das sogar abhängig von der Bildschirmauflösung, eine einzige Tickermeldung. Entsprechend ist die Verbreitung der Meldung gleich null, dh. eine Verbreitung findet prinzipiell nur in der eigenen Fanbasis, eine Weiterverbreitung findet nur gerade bei allfälligen Sharings des Beitrages statt.

Beachtet man gleichzeitig die hohe Reichweite von 20min.ch, welche über den Beitrag am Wochenende berichtet hat, ist der Zuwachs der Fans von nur gerade 1’689 bei über 41’000 Interaktionen auf einen Beitrag äusserst bescheiden.

Hohe Interaktion ja, aber …

Der Beitrag hat für eine hohe Interaktion gesorgt, entsprechend dürfte der Beitrag vielen Fans von Rapper Patrick Miller im News Feed angezeigt worden sein. In wie weit diese Interaktion allerdings in Bezug auf die Marke “Patrick Miller” etwas bringt, ist äusserst fraglich. Verbreitet wird ja in diesem Fall keine “sinnvolle” Meldung, sondern lediglich ein Gewinnspiel…

Der Beitrag dürfte allerdings aus Sicht des News Feed Algorithmus dafür sorgen, dass Beiträge, welche in den nächsten Tagen verbreitet werden, durchschnittlich eine höhere organische Verbreitung erhalten dürften.
Wie hoch die Interaktion auf der Facebook Seite von Patrick Miller ist, wenn kein Gewinnspiel stattfindet, zeigt die nachfolgende Grafik:

Grafik Interaktion der Facebook Seite von Patrick Miller vom 30.06. bis 30.09.2013 (Quelle: quintly.com)

Grafik Interaktion der Facebook Seite von Patrick Miller vom 30.06. bis 30.09.2013 (Quelle: quintly.com)

Warum tiefe Durchschnittsinteraktion

Wie die Grafik vorher zeigt, ist die durchschnittliche Interaktion der Millerschen Seite eher tief. Warum? Betrachtet man die Verteilung der Fans auf der Facebook Seite von Patrick Miller, stellt man fest, dass wahrscheinlich nur gerade knapp 30% der Fans Beiträge in deutscher Sprache verstehen, die Mehrzahl der Fans kommen nämlich nicht aus der Schweiz, Deutschland und Österreich, sondern aus Mexico, USA, Polen, UK, Brasilien, Frankreich und Italien. Entsprechend dürfte die Interaktion auf deutschsprachige Beiträge eher tief ausfallen.

Verteilung der Fans von Patrick Miller nach Ländern (Quelle: quintly.com)

Verteilung der Fans von Patrick Miller nach Ländern (Quelle: quintly.com)

Betrachtet man die Verteilung der Fans, ist jemand ein Schelm, der dabei sich was böses denkt, bei internationalen Stars ist es völlig normal, dass Fans sich äusserst Global zusammenwürfeln … 😉

Content Strategie? Äusserst fragwürdige Inhalte und seichte Postings…

Wer denkt, dass der Beitrag allenfalls strategisch platziert wurde um den News Feed Algorithmus zu überlisten, dürfte sich täuschen. Betrachtet man die publizierten Beiträge auf der Seite, ist nicht wirklich eine Content-Strategie erkennbar. Die Seite besteht zu einem grossen Teil aus seichten “Fun-Postings” nach dem Motto “ich bin cool und die Welt soll es erfahren”.

Andere Beiträge zeigen, dass die Medienkompetenz, oder mindestens der gute Geschmack, öfters komplett auf der Strecke bleiben.

Vielleicht gehören aber solche Meldungen auch einfachen zum vermeintlich coolen Image eines Rappers …

Fazit. Verarschung am Fan!

Solche Beiträge, bzw. eine solche Wettbewerbs-Aktion, sind meiner Meinung nach eine reine Verarschung der Fans. Entsprechende Gewinnspiele sind auf Grund des fehlenden Enddatums und der Teilnahmebedingungen unseriös und degradieren die Fanbasis zu Klickvieh. Einen Mehrwert für die Marke ist nicht erkennbar und besonders sympathisch ist diese Aktion ebenfalls nicht zu werten. Auch ein nachgereichter Post nach dem Motto “es wird zu 100% einen Gewinner geben. Da ich noch einen Countdown verkünden werde…. Peace ;)” ändert daran nichts.

Für alle, die diese Art von Interaktionssteigerung gut finden hier noch ein kleiner Tipp. Neben dem “letzten Kommentar” funktioniert auch gut die von Lidl Deutschland durchgeführte Aktion “es gewinnt die Person, die es schafft, 10 Kommentare am Stück zu publizieren, ohne dass jemand anderes dazwischenkommentiert”. Auch dies ist eine Variante, die 100% sicher funktioniert, da der SPAM-Schutzmechanismus von Facebook einen Nutzer nach dem sechsten oder siebten Kommentar hindert, weitere Kommentare zu posten.

 

 

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Autor: Thomas Hutter 1678 Posts
Thomas Hutter (40) ist Inhaber und Geschäftsführer der Hutter Consult GmbH. Er berät grosse und mittlere Unternehmen, Organisationen und Agenturen in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Niederlanden rund um den strategischen und nachhaltigen Einsatz von digitaler Kommunikation und digitalem Marketing in und mit sozialen Netzwerken.
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