Themen

Parteienanalyse 2013 - Philipp Ploner

Mehr als drei Millionen Österreicher sind Facebook-Mitglieder und die große Mehrheit davon ist wahlberechtigt. Zur Wahlkampfarena wird das Soziale Netzwerk deshalb aber nicht, eher zum Fotoalbum. Sprachlich steif, nicht innovativ und wenig Interaktion: Die österreichischen Parteien verpassen die Chance gerade bei jungen Wählern zu punkten. Eine Analyse vom Social Media-Experten und studierten Politologen Philipp Ploner, dem Gründer der Wiener Kommunikationsagentur Ploner Communications.

Die Spitzenkandidaten der Nationalratswahl 2013 lachen derzeit nicht nur von Wahlplakaten, sondern auch von Facebook-Seiten: Wenige Tage vor der Wahl liegt HC Strache (die FPÖ verzichtet auf eine Parteiseite) mit rund 159.000 Fans klar auf Platz eins im Wahlkampf-Ranking. Dahinter liegen mit Team Stronach (rund 51.500 Fans) und NEOS (rund 39.000 Fans) zwei Newcomer. Erst hinter den Grünen (rund 27.500 Fans) kommen mit SPÖ (rund 22.000 Fans) und ÖVP (rund 13.500 Fans) die derzeitigen Koalitionsparteien. Abgeschlagen am Ende des Rankings liegt das BZÖ (rund 900 Fans).

ANZAHL FANS IM ÜBERBLICK

ANZAHL FANS IM ÜBERBLICK

 

Das Kanzlerduell: Konturlos, farblos, altmodisch

Die SPÖ kommt durchschnittlich auf zwei Postings täglich und bleibt dabei mehrheitlich auf der Sachebene. Sehr nüchtern und unpersönlich werden Wahlkampfparolen aufbereitet und teils mit Grafiken versehen. Mehrheitlich Anzugträger auf den Fotos. Da die direkte Ansprache fehlt, ergibt sich ein sehr distanziertes Bild: Steife Wortwahl, nichts Persönliches und keinerlei Interaktion mit den Fans.

Attribute, die auch für die Seite der ÖVP zutreffen. Es wird etwas weniger gepostet als bei der SPÖ, jedoch ist die Fotodichte besonders hoch. Spitzenkandidat Michael Spindelegger gibt sich volksnäher als Bundeskanzler Werner Faymann. Auffallend oft werden Hände geschüttelt. Obwohl schon mal das Stichwort „We are Family“ fällt, werden die Fans gesiezt.

FPÖ und Grüne mit überraschenden Gemeinsamkeiten

Inhaltlich am entgegengesetzten Ende des Parteienspektrums angesiedelt, funktioniert der digitale Mundfunk von FPÖ und Grünen relativ ähnlich. HC Strache inszeniert sich mit täglich 20-25 Postings als volksnaher Politiker zum Anfassen. Auch wenn Händeschütteln keine Message ist, untermauert er damit sein „Wir für Österreich“.

Für sein Image greift Strache sogar zur Badehose – Glawischnig zur Schaufel: Bei den Grünen kommen Spitzenkandidatin und Partei gemeinsam auf 10-15 Postings und versuchen teils humorvoll das Image der strahlenden, umweltbewussten „Sauberfrau“ zu vermitteln. Bei beiden lassen die Plakatsujets grüßen. Die Ansprache ist persönlicher. Auf  Interaktion wird bei der FPÖ gänzlich verzichtet, bei den Grünen reagiert man vereinzelt.

Auf Facebook im Trend: Team Stronach und NEOS

Gänzlich anders als die etablierten Parteien treten Team Stronach und NEOS auf und ihre Fanzahlen geben ihnen Recht. Beide Parteien stehen in reger Interaktion mit ihren Fans: Auf Kommentare wird geantwortet und diskutiert. Mit Hashtags springen beide auch auf den neuesten Facebook-Trend auf. Natürlich finden sich auch hier Wahlkampfparolen, Fotos, Veranstaltungstipps und Medienberichte.

Die Seite des BZÖ wird mit Statements, Wahlplakaten und Veranstaltungshinweisen befüllt. Facebook als Wahlkampfarena müsste gänzlich anders aussehen.

Parteianalyse Österreich 2013 – Diagramme

Autor: Philipp Ploner 5 Posts
Mag. Philipp Ploner ist Gründer und Geschäftsführer von Ploner Communications. Ploner Communications wurde 2009 in Wien gegründet und ist eine Kommunikationsagentur spezialisiert auf Online Marketing.
Diese Webseite nutzt Cookies, Remarketing & Analytics. Wenn Du weiter auf dieser Seite bleibst, stimmst Du den Datenschutzbestimmungen zu. Datenschutz akzeptieren