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Letzte Woche und am Wochenende haben diverse Meldungen über die Bloggergate die Runde gemacht. Der Fall von “The White Moose Café”-Chef Paul Stenson vs. die YouTuberin Elle Darby dürften mittlerweile die meisten Menschen kennen, die sich im Umfeld von Social Media Marketing bewegen. Dabei wird immer wieder die Thematik “Hotelier versteht Social Media Marketing nicht” thematisiert. Ich behaupte allerdings, dass Paul Stenson, der Chef vom “The White Moose Café” Social Media sehr wohl sehr gut versteht. Und diese sogar im Gegenteil extrem geschickt in der Steuerung von Viral-Marketing einsetzt.

Eine kurze Rekapitulation “The White Moose Cafe” vs. “Elle Darby

Ausgangspunkt der Geschichte ist die Anfrage der YouTuberin Elle Darby an das “The White Moose Café” in Dublin. Sie möchte mit ihrem Freund über den Valentinstag ein paar Tage im Hotel von Paul Senson verbringen und bietet eine Kooperation in Form einer Berichterstattung auf allen ihren Kanälen an. Die Anfrage an das Hotel ist zugegebener Weise ein bisschen unbeholfen, bzw. taktisch unklug formuliert.

Die Antwort erhält Elle Darby allerdings vom Chef von “The White Moose Café” in einem Facebook Posting, zugegebener Weise relativ hart formuliert.

 

Dabei schwärzt er zwar den Absender und die URL des YouTube Kanals, allerdings aber so, dass die URL mit ein bisschen Zoom-Effekt erkennbar ist. Daraufhin erhält Elle Darby viele gehässigte Kommentare, was die junge YouTuberin dann veranlasste, ein Video zu publizieren, wo sie sich über den “gemeinen Hotelier” auslässt.

 

Das Video wiederum animierte einige Blogger und YouTuber gegen das “The White Moose Café” zu hetzen. Einige Blogger riefen zu negativen Bewertungen gegen das Hotel auf, wiederum andere machten das Hotel zum Thema, wie die heutige Hotel-Industrie den “Berufszweig” der Influencer nicht verstehen würde.

Auf die Aktivitäten der Blogger und YouTuber reagierte Paul Stenson mit viel Ironie und Sarkasmus, was die YouTuber- und Bloggerszene zusätzlich anheizte.

 

 

 

 

Das Fass zum Überlaufen brachte dann die Ankündigung, dass Blogger zukünftig im Hotel Hausverbot erhalten würden.

 

 

 

In regelmässigen Abständen legte Paul Stenson mit Meldungen nach und befeuerte damit die Geschichte immer wieder aufs neue.

 

 

 

 

Zur Krönung legte er dann am Samstag nochmals kräftig nach und veröffentlichte weitere Beiträge zur erneuten Provokation der YouTuber- und Blogger-Community

 

 

 

Und mit der fiktiven Rechnung an die YouTuberin Elle Darby über 4.3 Mio. Euro für die Provision für das Bekanntmachen von ihr in 114 Beiträgen in 20 Ländern mit dem ironischen Hinweis, dass die Zahlung in Euro und nicht in Sterling erfolgen muss und Video-Nennungen nicht als Zahlungsmittel akzeptiert werden, legte er nochmals nach.

 

Die Erklärung, warum Paul Stenson auf die 4.3 Mio. Euro kommt, gibt es im Beitrag von James McCann auf LinkedIn nachzulesen:

Screenshot #bloggergate - who benefited the most

Screenshot #bloggergate – who benefited the most

 

 

Aber nicht genug. Am Sonntag legte Paul Stenson nochmals nach mit einer fiktiven Pressekonferenz und provoziert weiter.

 

Absolut “hinter dem Mond” oder ein “Kommunikations- Genie”?

Die Beiträge zum Thema variieren in den Aussagen massiv. Von einem “absolut hinter dem Mond lebenden Hotelier” bis hin zu “Influencer: Alles, was da gerade schief läuft – erklärt an einem Beispiel” kann man alles nachlesen. Die Kommentare im Beitrag vom geschätzten Kollegen und Freund Prof. Dr. Klemens Skibicki – Profski zeigen dazu ein gutes Bild über die unterschiedlichen Meinungen zum Vorfall:

 

Mangelnde Social Media Kenntnisse wurden dem Geschäftsführer von “The White Moose Café” nachgesagt. Sorry, aber wer einen Shitstorm so gekonnt hervorruft und orchestriert, dem kann man mit Sicherheit nicht mangelnde Social Media Kenntnisse nachsagen.

Nicht das erste Mal

The White Moose Cafe, bzw. Paul Stenson, orchestriert die virale Verbreitung auf einem exzellenten Niveau und hat sich in der Vergangenheit schon einige Male mit den unterschiedlichsten Gruppierungen angelegt, wie ein Blick in die Chronik der Facebook Seite zeigt. Bereits in der Vergangenheit hat er sich immer wieder mit hoch emotionalen Gruppierungen angelegt, von den “stillenden Müttern” über die “Veganer” zu den “Brasilianern” bis hin zu den Menschen mit “Gluten-Intoleranz“.  Und die Rechnung geht für ihn jedes Mal von neuen auf.

Wie abgebrüht der Hotelier ist, zeigt auch das folgende Video, in welchem er Tipps gibt, wo man ihn auf welchen Plattformen anfeinden kann:

 

Brest Feading

 

Gluten-Frei

 

The House of Influencers

 

Booking.com

Auch gegen Industrie-Riesen wie booking.com nimmt er kein Blatt vor den Mund.

 

Einfaches Rezept für den viralen Erfolg!

Sein Rezept dabei ist relativ einfach. Man nehme eine Bevölkerungsgruppe, die emotional für ihr Thema einsteht. Dann wird jemand aus dieser Gruppe unter Beizug der eigenen Community angefeindet (im letzten Fall Elle Darby) und wartet die emotionale Reaktion ab. Meistens sind es Menschen, die emotional für ein Thema einstehen gut mit seinesgleichen vernetzt, es also mit einer Gegenreaktion zu rechnen ist. Sobald die Gegenreaktion eintritt, wird die Anfeindung auf die ganze Gruppe ausgeweitet, die Welle wird entsprechend grösser und mehr Personen (und deren Communities) werden involviert. Die Anfeindungen erhalten so noch mehr Aufmerksamkeit und werden von anderen Gruppen / Medien aufgeschnappt und weiter verbreitet. Während viele dann bereits die unheimliche grosse Verbreitung geniessen, setzt Paul Stenson noch einen drauf und provoziert laufend aufs neue, dh. die Viralität wird so weiter angeheizt und über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten.

Die einzelnen Schritte kurz zusammengefasst:

  • Themengruppierung identifizieren
  • Opfer suchen
  • Anfeindung
  • Reaktion durch das Opfer
  • Reaktion durch die Verbündeten des Opers
  • Anfeindung der Themengruppierung
  • Themengruppierung verbannen
  • Nachtreten
  • Nachtreten

Bei diesem Vorgehen ist es wichtig, absolut keine Skrupel und auch keine Angst vor niemandem zu zeigen …

Geht die Rechnung für das Hotel auf?

Trotz den durchaus auch negativen Meldungen erhält das “The White Moose Café” eine Medienaufmerksamkeit, die in diesem Umfang nie und nimmer käuflich wäre. Dabei dürfte der Grundsatz “auch schlechte Presse ist gut Presse” zum Tragen kommen. Während die Websites vom The White Moose Café  und dem dazugehörigen Hotel Charleville Lodge aktuell “down” sind, steigen die Verlinkungen ins Unermessliche, aus der einfachen Lodge wurde dank der ungenauen Berichterstattung ein Luxus-Hotel. Auch die (positiven und negativen) Bewertungen auf den unterschiedlichen Plattformen (Tripadvisor, Yelp und Co.) nehmen massiv zu, was die Websites grundsätzlich höher ranken lasst. Ebenso steigen die Follower- und Viewzahlen auf Facebook, Instagram, Twitter und YouTube – die Plattformen orchestriert Paul Stenson nämlich ausgezeichnet.

Google Suche Auto Text für "The white moose cafe"

Google Suche Auto Text für “The white moose cafe”

 

Und ja, ein kleines Restaurant mit dazugehörigem Hotel (beschränkte Anzahl von Betten) kann mit einer so riesigen Aufmerksamkeit sehr gut leben, auch wenn einzelne Gruppierungen (Veganer, Brasilianer, Stillende Mütter und jetzt auch Blogger) nicht mehr vorbeischauen. Denn jede Gruppierung, die emotional für ihr Thema einsteht, hat auch entsprechende Gegengruppierungen. Wie viele Veganer gehen Nicht-Veganern mit ihren laufenden Belehrung und Bekehrungsversuchen auf die Nerven? Wie viele Menschen stören sich an den stillenden Müttern mit ihren kreischenden Babies? Wie viele Menschen nerven sich über die YouTube-Stars und Instagram-Sternchen, bzw. den sogenannten (Mikro-)Influencern. Ist dann ein Cafe oder eine Lodge, die sich klar gegen diese Gruppierungen stellt nicht ein hervorragender Ort sich zu treffen, ohne Angst haben zu müssen, diese dort anzutreffen.

Fazit

Bei einer Berichterstattung über ein Vorkommnis sollte man allenfalls mal einen Schritt weiter weg stehen und die Situation im zeitlichen Verlauf betrachten und die Absicht dahinter versuchen zu reflektieren. Für die YouTuberin Elle Darby allenfalls tröstend – sie war zufällig das Opfer – es hätte auch jede(n) andere(n) Influencer treffen können. Allenfalls zeigt das Beispiel einfach auch einigen Influencern auf, dass “gute” Kommunikation nicht nur von einer grossen Followerschaft abhängig ist, sondern vielmehr auch von Taktik und Strategie. Hätte sie sich vor der Anfrage einmal mit dem The White Moose Cafe auseinandergesetzt, ein bisschen gegoogelt (oder wie die Profis sagen “recherchiert”), hätte sie sich diese Blosstellung grundsätzlich vermeiden können.

Man kann Paul Stenson vieles Nachsagen, sich über die Provokationen oder den schlechten Geschmack aufregen, aber bestimmt nicht behaupten, dass er Social Media nicht verstanden hat …

Autor: Thomas Hutter 1844 Posts
Thomas Hutter (41) ist Inhaber und Geschäftsführer der Hutter Consult GmbH. Er berät grosse und mittlere Unternehmen, Organisationen und Agenturen in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Niederlanden rund um den strategischen und nachhaltigen Einsatz von digitaler Kommunikation und digitalem Marketing in und mit sozialen Netzwerken.

Kommentare via Facebook

Eine Antwort zu «Social Media: Wenn der Hotelier Social Media besser beherrscht als die Blogger und YouTuber»

  1. wagels@gmx.net' Rolf Wagels sagt:

    Moin
    Hinzu kommt die irische Art des Humors. Die Art zu schreiben, auch in seinem lesenswerten Blog, kenne ich so nur aus Irland.
    Danke!
    Der Rolf

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