Facebook: Cyberbashing, Cyberbullying, Cybermobbing und andere Unschönheiten auf Facebook
22. Juni, 2010 | Thomas Hutter | 10 Kommentare
Facebook ist beliebt, über 470 Mio. Benutzer tummeln sich regelmässig auf der Plattform, und zeichnet sich durch eine noch nicht dagewesene theoretische Reichweite aus. Öfters wird Facebook positiv eingesetzt, z.B. beim grossen Erdbeben von Haiti um Spendengelder zu sammeln, leider aber auch zunehmend Cyberbashing oder Cyberbullying/-mobbing.
Cyberbashing oder Cyberbullying ein neues Phänomen?
Rufmord, Gewaltaufrufe und “ich hasse”-Gruppen sind kein neues Phänomen auf Facebook, bzw. nicht ein spezielles Phänomen von Facebook, auch andere Social Networks und Foren sind immer wieder Schauplätze und Sammlungspunkte für lose Gruppierungen mit ähnlich gelagerten Meinungen und Interessen. Durch die viralen Möglichkeiten und dem niederschwelligen Aktionismus verlagern sich viele Cyberbashing- oder Cyberbullying-Attacken auf Facebook. Eine Facebook Gruppe oder eine Gemeinschaftsseite ist in wenigen Minuten eingerichtet, mit einigen Klicks sind Freunde zum Gruppen- oder Seitenbeitritt eingeladen, je nach Aktualität und Thema die nächsten “Liker” entsprechend nicht weit weg.
Die Hemmschwelle, in Facebook (oder anderen Sozialen Netzwerken) andere auszulachen oder zu verhöhnen, ist gering, die Anonymität des Webs hilft, dass ein Täter seinem Opfer nicht in die Augen blicken muss. Eine unmittelbare Rückmeldung für das eigene Verhalten bleibt meistens aus, in der Folge auch das Bewusstsein und Empfinden für die Verletzung der Betroffenen. Es ist relativ einfach, Verleumdungen zu äussern oder herumzuschimpfen. Dieser Effekt wird auch als “Online Disinhibition Effect, Online – Enthemmungseffekt” bezeichnet: Es fällt Menschen, insbesondere Jugendlichen, schwerer, ihre Impulse zu zügeln, wenn die soziale Kontrolle wegfällt oder nicht spürbar ist.
Beispiele von Cyberbashing oder Cyberbulling-Attacken auf Facebook
Die Formen des Bashings oder Bullyings unterscheiden sich, einige sind klar offensichtlich (z.B. “ich hasse”, “ich könnte xy täglich die Fresse polieren”), andere indirekt (z.B. “lieber xy als ab”, “besser 100 xy als ein ab”). Die nachfolgende Beispiele sind nur ein paar wenige, stellvertretend für viele weitere Möglichkeiten. Die Beispiele sind nicht verlinkt – ich möchte die negativen Auswüchse von Facebook nicht noch zusätzlich fördern:

Beispiele für Cyberbashing und Cyberbullying auf Facebook
Aktuelle Beispiele
Gerade emotional geprägte Veranstaltungen mit grossem Publikum wie z.B. die Fussball-WM in Südafrika sind Nährböden für Cyberbashing und Cyberullying. Beispielsweise die zweifelhafte Leistung des Schiedsrichter Khalil Al Ghamdi im Spiel Schweiz – Chile sind Auslöser für Attacken auf Facebook.

Cyberbashing und Cyberbullying gegen Khalil Al Ghamdi auf Facebook
Das Beispiel der grössten Gruppierung zeigt auch den enormen Viraleffekt auf Facebook. Gemäss Angaben des Seitengründers (der anscheinend offensichtlich zu seinem Bashing/Bullying steht) wuchs die Zahl der Liker extrem schnell an:

Wachstum einer Cyberbashing / Cyberbullying Facebook Seite
Weit schlimmer als die erstellten Seiten sind die entsprechenden Kommentare in den Seiten. Die Kommentare der Teilnehmer sind teilweise ohne jegliches Niveau mit klar rassistischem Kontext – “Online Disinhibition Effect, Online – Enthemmungseffekt” . Ich bin überzeugt, dass 98% der kommentierenden Personen die gleichen Äusserungen nicht machen würden, wären Fernsehkameras auf sie gerichtet.

Cyberbashing und Cyberbullying mit extrem rassistischen Tendenzen auf Facebook
Schlimm an dem Ganzen finde ich persönlich, dass die Online-Redaktion der grössten Schweizer Boulevardzeitung auf den Cycberbashing- und Cyberbullying-Zug aufspringen und entsprechende Facebook-Gruppierungen noch offensichlich bewerben und aktiv verlinken.

Cyberbashing / Cyberbulllying Unterstützung vom Blick
Rund 50′000 Mitglieder erscheinen als grosse Anzahl. Betrachtet man allerdings diese Zahl wieder im Verhältnis der Anzahl der aktiven Facebookbenutzer in der Schweiz, handelt es sich in diesem Beispiel um 2.257% – trotzdem viel zu viele…
Was kann man gegen Cyberbashing/-bullying tun?
Möglichkeit 1
Cyberbashing / Cyberbullying-Attacken nicht unterstützen. Weder entsprechenden Gruppen oder Seiten beitreten noch diese durch Verlinkung bewerben.
Möglichkeit 2
Die meisten seriösen Netzwerkanbieter bieten die Möglichkeit, beleidigende, unseriöse, unethische oder sonstwie auffallende Seiten, Profile oder Darstellungen zu melden und ihre Löschung zu beantragen. Bei Facebook sind bei Facebook-Seiten oder Gruppen befindet sich die “Melden”-Funktionalität jeweils in der linken Spalte unterhalb des Profilbildes.
Möglichkeit 3
Steigerung der Medienkompetenz durch Aufklärung.
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Gratuliere – ein an sich recht guter Beitrag!
Bei gewissen Gruppen muss man aber die triefende Ironie in die “Bewertung” mit einbeziehen. Gerade die erste in Ihrem Beispiel (Göldi gegen Hirschmann) lässt ein gewisses Augenzwinkern nur schwerlich übersehen…
Bei Gaddafi, Hirschmann oder dem Schiedsrichter haben sich die Fluchtiraden vom Stammtisch ins Internet verlagert. Das ist einfach eine Folge der Entwicklung des Global Village. Niveau-Vorschriften wären nett, sind aber schlicht nicht machbar. Und ich behaupte, am Stammtisch ist sicher manch drastischeres Wort gefallen als im Web 2.0… Was aber nicht irgendwelche Online-wir-killen-XY Geschichten rechtfertigen soll.
Aber:
Zu erwarten, dass sich alles beruhigt und die (angeschlagenen Print-)Medien solche Entwicklungen einfach boykottieren wäre absolut naiv.
Sie selber schreiben ja ebenfalls zu der Thematik – inklusive Aufforderung, dies mittels Empfehlung auf Facebook mit anderen zu teilen. Für mich ist das ein anderes Mittel zum gleichen Zweck: Medienpräsenz – mit dem gleichen Thema wie die Zeitungen, nur weniger reisserisch…
@stef
Danke für Deinen Kommentar.
Ich gehe mit Dir in den meisten Punkten einig. Und die angeschlagenen Holzmedien nehmen verständlicherweise das Thema auch gerne auf.
Allerdings macht es einen Unterschied, ob man zum Mitmachen auffordert (und entsprechend verlinkt) oder auffordert, solche Artikel zu Teilen um entsprechende Medienkompetenz zu fördern
Jeder kleine Webmaster wird in der EU (bald auch CH) für solche Beiträge anderer User in seinem Diskussions-Forum verklagt und haftbar gemacht.
Nur traut sich keiner rechtlich an FB ran (die sind mehr oder weniger auch unangreifbar).
Oder aber man betrachtet Facebook und deren User in diesen Gruppen auf Seiten der Betroffenen einfach als zu vernachlässigende Kackophonie des Internets.
hallo tom
was willst du der weltbevölkerung genau mitteilen? wo liegt der sinn in deinem blog? müsste mich oder die schweiz deine meinung interessieren? versuchst du die welt zu verbessern? oder sie gar zu retten? versuchst du deine persönlichen probleme mit der gesichts-losen facebook-gemeinschaft zu lösen?
fragen über fragen, auf welche ich bitte keine antworten wünsche. aber ich wünsche dir viel erfolg in deiner mission (also rein anstandshalber).
rein anstandshalber publiziere ich auch diesen Kommentar …
Es ist nicht sehr schwer und auch nicht kompliziert.
a) Wir ermöglichen einen freien Austasuch von Gefühlen und Emotionen mit genügend emotionalen & physikalischen Abstand und wundern uns über solche harten Worte. Aber wenn wir in uns schauen, wissen wir alle, dass wir schon oft wenn oder was auch immer verflucht haben. Nur veröffentlicht haben wir es nicht.
b) Die Qualität zwischenmenschlicher Beziehung fällt (Dauer, tiefe etc.) und wird durch eine quantitative komponente ersetzt (Ich bin beliebt mit xxx Facebook Fans). Diese quantitative Entwicklung bedeutet gleichzeitig das es eine geringere emotionale Bindung und damit auch weniger vorbehalte “laut” zu werden.
Ganz einfach: Kommuniziere ich mit Menschen mit denen ich eigentlich nichts persönlich zu tun habe, kann es auch mal hart zu gehen. Man merkt schnell das man das Phänomen 2-teilen muß, denn das cybermobben von Bekannten ist eine völlig andere Sache
Wie du ja schon bei mir gelesen hast bin ich deiner Meinung. Eine peinliche Sache, irgendwie. Aber auch eine gefährliche, v.a. für diejenigen, die im Übereifer vergessen, dass sie nun wirklich nicht anonym und rechtfrei auf Facebook sind.
[...] heute bin ich selber wieder ausgetreten. Zufälligerweise bin ich nämlich über diesen Blog auf die Website von Thomas Hutter gelangt, auf der er seine Meinung zum Thema Cybermobbing kundtut. Mir wurde erst jetzt richtig [...]
Der Artikel ist gut geschrieben und informativ, doch leider haben Beschwerden über diverse Gruppen bei Facebook seltenst Aussicht auf Erfolg. Beispiele gefällig? Seite der NPD mit zum Teil krassen Aussagen, Gruppen von rechten Gesinnungsgenossen (Neonazis, Hooligans) aus verschiedenen Ländern. Diese Gruppen wurden mehrmals gemeldet (unter anderem auch von mir) und sie gibt es immer noch…
ja, das ist so, wahrscheinlich ist eine kritische Masse an Beschwerden notwendig.