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Der Chef eines Trainees bot ihm die Freundschaft in Facebook an. So leitete ein Autor kürzlich in der Süddeutschen seinen Artikel über Facebook im Geschäftsleben ein. Er empfahl:

“Bitte um Verständnis, dass mein Facebook-Account rein privater Natur ist.
Alternativ kann man eine Vernetzung auf Xing oder LinkedIn anbieten”

Für mich ist XING nicht ausschliesslich für geschäftliche Kontakte und Facebook nicht ausschliesslich privat. Vielmehr bin ich auf derjenigen Plattform mit den Leuten vernetzt, die sie nutzen. Der Unterschied liegt also nicht an der Stellung der Person in meinem Leben, sondern wo der andere einen Account hat bzw. anfragt.

Am Ende des besagten Artikels vergleicht der Schreiber den freundschaftswilligen Chef mit einem Kind, dass seine Süssigkeiten nicht bekommt. Das zielt in meinen Augen an der Realität vorbei.

Sinnbildlich: ein Kind, das nicht mitspielen darf

Jeder hat in Facebook irgendwann eine Freundschaftsanfrage, die nicht mit einem klaren “ja” oder “nein” zu beantworten ist. Für mich aber ist undenkbar, jemandem zu erklären, dass ich nicht sein Freund sein möchte. Wisst Ihr noch wie sich das als Kind (um bei der Metapher zu bleiben) angefühlt hat, nicht mit den älteren Kindern mitspielen zu dürfen. Verglichen damit ist eine verpasste Süssigkeit nichts. Im persönlichen Umgang würde ich niemandem bewusst die Freundschaft verwehren. Ein Freundschaftsangebot zeugt von Vertrauen und Respekt und sollte auch so beantwortet werden. Zumal eine Freundschaft ohnehin mehr ist als ein Klick und einige digitale Inhalte.

Wie ich auf Facebook agiere

Ich möchte mir keine Empfehlung anmassen, erzähle aber gerne hier, wie ich in Facebook agiere:

Ich

  • lehne kaum eine Anfrage ab (ausser es gibt keinen Grund, man
    hat keine Verbindung im realen Leben oder über Themen), selten nutze ich “ignorieren”
  • habe eine Liste für enge Freunde
  • nutze diese Liste nur zum Lesen der
    Nachrichtenvon engeren Freunden
  • zum Posten nutze ich Listen nicht, d.h.
    alle Kontakte können alle Inhalte lesen
  • ich poste nur Inhalte, die ich jedem auch
    öffentlich sagen würde
  • überlasse dem Nutzer die Wahl der Plattform
  • nutze keine Geotaggs oder Foursquare
  • schütze Freunde, Bekannte, Familie indem ich sie nicht auf Bildern markiere
  • lade übrigens keine Bilder von anderen ungefragt hoch
  • verlasse mich nicht auf Sicherheitseinstellungen einer Software / Plattform
  • ersetze keine persönlichen Treffen durch Facebook
  • achja, tanze bei Partys besser nicht auf Tischen ;)

Ich prüfe bei allen Medien “Würde ich dies auch bei persönlichem Kontakt oder vor Publikum sagen/tun?”
Also kann ich den Chef ruhigen Gewissens als Kontakt annehmen und mich über sein Vertrauen freuen. Verdienen muss er (oder sie) sich diese digitale und teil-öffentliche Freundschaft nicht.

Die Autorin

Su FrankeSu(sanne) Franke ist Bloggerin, Corporate Communication Managerin bei Namics und ab Januar 2011 Leiterin Marketing & Kommunikation bei Goldbach Interactive.  Sie nutzt Social Media in der Unternehmenskommunikation und teilt ihre Erfahrung in Fachbeiträgen, Blogs und als Gastdozentin an der HTW Chur. Seit 1999 ist Su in der ICT Branche in Markom tätig. Nebenberuflich ist sie Yogalehrerin und bloggt auch über Philosophie im Alltag.