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Das Schweizer Arbeiterhilfswerk SAH, für viele wesentlich bekannter unter dem Namen solidar.ch, macht wieder für sich aufmerksam. Nach der Clooney Nespresso Geschichte lancierte solidar.ch bereits im letzten Jahr den sambatanzenden Sepp Blatter um auf die sozialen Misstände rund um die Fussball WM 2014 aufmerksam zu machen. Die damalige Aktion mit dem tanzenden Sepp Blatter kam meiner Meinung nach allerdings nicht wirklich auf Touren, betrachtet man die Anzahl der Views der Videos auf YouTube.

Das Video vom sambatanzenden Sepp Blatter:

Mit einem geschickten Täuschungsmanöver tourt solidar.ch aktuell wieder rund um die Fussball WM in den sozialen Netzwerken.

vermeintlicher Hack als Aufhänger

Mit einem vermeintlichen Hack versucht solidar.ch wiederum Aufmerksamkeit zu erhaschen.  Mit Meldungen auf Faceboook und Twitter gibt solidar.ch (bzw. Personen der von Solidar.ch beauftragen Agentur) vor, die Website der FIFA gehackt zu haben, eine entsprechende Share-Message trägt den Absender fifa-brazil-2014.com.

Das Solidar-Hack-Täuschungsmanöver

Das Solidar-Hack-Täuschungsmanöver

Besucht man die Website, die aussieht wie die offizelle WM-Website der FIFA, sticht einem nach kurzer Zeit der Header-Banner ins Auge, anschliessend taucht Sepp Blatter tanzend auf dem Bildschirm auf, daneben rechts, der Hinweis auf die Kampagne von solidar.ch. Benutzer werden aufgefordert den Hack mit Freunden via Facebook und Twitter zu teilen, bevor der Hack entdeckt wird.

Nicht offizielle der Website der FIFA

Bei der verwendeten Website fifa-brazil-2014.com handelt es sich allerdings nicht um eine offizielle Website der FIFA sondern vielmehr um eine explizit für diese Kampagne registrierte Domain. Die Website der FIFA wurde dabei kopiert und ein entsprechendes Header-Element eingebaut. Besucher der Seiten denken so, dass es sich um die offizielle Website handelt. Gemeinsam mit dem entsprechenden “Hack-Hinweis” in den Social Media Kanälen wirkt die Täuschung umso mehr.

Hier ein Screen-Video der vermeintlich gehackten, bzw. gefälschten Seite.

Beachten man allerdings bei einer Whois-Abfrage das Registrierungsdatum der Domain  fifa-brazil-2014.com dürfte dem hinterfragenden Betrachter schnell klar sein, dass es sich dabei um einen Fake handelt.

Whois-Abfrage fifa-brazil-2014.com

Whois-Abfrage fifa-brazil-2014.com

Mögliche Konsequenzen?

Was sind die Konsequenzen einer solcher Aktion? Schwer vorauszusagen, meiner Meinung nach können die Konsequenzen vielseitig sein, da verschiede Aspekte mitspielen:

Geschütze Markte FIFA

Die Marke FIFA ist geschützt, rein theoretisch könnte die FIFA gegen Solidar, bzw. den Domain-Inhaber von fifa-brazil-2014.com vorgehen. Falls die FIFA diesen Schritt wagt, wird solidar.ch an die Presse gehen und erhält so, dank den Pressemeldungen, zusätzliche Aufmerksamkeit. Die mediale Aufmerksamkeit wäre dann sicherlich ein Vielfaches der für die Kampagne eingesetzten kosten. Zieht allerdings die FIFA die Klage durch (unabhängig von der Richtigkeit und den Erfolgsaussichten), dürfte solidar.ch einige juristische Kosten berappen müssen.

Mediale Aufmerksamkeit durch den Hack

Schlecht recherchierende Journalisten könnten auf das Täuschungsmanöver hereinfallen und die Story publizieren, was solidar.ch wiederum Aufmerksam geben würde. Man könnte in diesem Fall dann auch von gezielter Irreführung sprechen. Getäuschte Journalisten könnten sich aber auch “verar****” vorkommen und den folgenden zukünftigen Aktionen von solidar.ch weniger Aufmerksamkeit widmen.

Enttäuschte Aktivisten

Auch die teilnehmenden Nutzer könnten sich durch das Täuschungsmanöver schlicht und einfach “verar****” fühlen, im Sinne der Sache wird die Falschinformation geteilt, bzw. der Nutzer für die Verbreitung der Falschinformation missbraucht.

Solidar.ch – immer wieder das gleiche Muster

Beobachter der solidar.ch-Aktionen dürfte dabei das immer gleiche Muster auffallen.

  • Effekthascherei mit Exklusivität
  • Virales Video mit Täuschung
  • Call to Action auf Kampagnenseite
  • Berichte über hohe Viralität
  • Presseberichterstattung wegen angeblich hoher Viralität

Etwas vermeintlich Exklusives mit Hinweis auf verbieten oder löschen (Geheimer Clooney-Spot, wenn es nach Nespresso ginge, würde niemand diesen Werbespot sehen (DE 646k Views)/ Blatter flippt völlig aus, Anschauen, bevor gelöscht… (DE 168k Views)/ Der Film, den UBS & Co am liebsten verbieten würden (DE 21k Views) / Anschauen bevor gelöscht #FIFA-Website gehackt. Sepp Blatter tanzt wie verrückt für faire WM #changebrazil #sambahack) wird über Social Media bekannt gemacht (Facebook Ads, Share-Meldungen), anschliessend erfolgt eine Täuschung der Zuschauer (Fake Clooney-Video, Fake Blatter Video, Fake-FIFA-Website) und der Call to Action auf der Kampagnenseite aktiv zu werden. Anschliessend folgen hinweise über die angeblich sehr hohe Viralität, bzw. werden Medien auf die hohe Viralität aufmerksam gemacht. Effektiv richtig aufmerksam wird die Masse dann über die Berichterstattungen in den klassischen Medien. Die Vorgehensweise funktioniert in den meisten Fällen …

 Update 23.06.2013 / 07.32 Uhr

#sambahack performt gut, gemäss einem Statusupdate der Agentur Feinheit sind es heute morgen um 06.05 bereits 145’393 Unterstützer mit 6’100 Tweets mit einer Reichweite von über 5 Mio. Menschen.

Insights aus dem Tracker (Quelle: facebook.com/feinheit)

Insights aus dem Tracker (Quelle: facebook.com/feinheit)

Wer sich dazu einen Überblick machen möchte, checkt am besten #sambahack auf Facebook und Twitter

Offene Frage an die Leser

Wie viel Täuschung ist in Ordnung?
Fühlt man sich als Nutzer von so einer Aktion veräppelt, wenn auskommt, dass es sich nur um einen Fake handelte?

Autor: Thomas Hutter 1701 Posts
Thomas Hutter (40) ist Inhaber und Geschäftsführer der Hutter Consult GmbH. Er berät grosse und mittlere Unternehmen, Organisationen und Agenturen in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Niederlanden rund um den strategischen und nachhaltigen Einsatz von digitaler Kommunikation und digitalem Marketing in und mit sozialen Netzwerken.
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