09.06.2020 LinkedIn

LinkedIn: Inhalte werden eingeschränkt, die als gewalttätig oder falsch gelten

In einem durchgesickerten Audio von Fragen und Antworten vom internen Meeting mit der Führung von LinkedIn sagte General Counsel Blake Lawit, die Plattform würde Präsident Trump und andere Politiker “einschränken”, wenn sie sie dazu verwenden würden, Gewalt anzuregen oder Fehlinformationen zu verbreiten. Der neue CEO muss sich zudem erstmals für die Kommentare einzelner Mitarbeitenden und für weitere interne kulturelle Vielfalt-Probleme öffentlich entschuldigen.

Belinda Weibel
3 Min. Lesezeit
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Durchgesickerte Audio-Informationen von LinkedIn General Counsel Blake Lawit sagen aus, dass die Community-Standards der Plattform für alle gelten – auch für Donald Trump. Alle Inhalte auf LinkedIn werden eingeschränkt, die als gewalttätig oder falsch gelten.

Interne Aussagen zu den Community-Standards sickerten nach aussen

Letzte Woche gab es gemäss Business Insider ein internes LinkedIn Meeting, aufgrund des Umgangs der Plattform mit Inhalten, die zu Gewalt führen oder Fehlinformationen verbreiten könnten. Das Meeting wurde aufgrund der aktuellen Situation rund um Rassismus und den Protesten wegen des Mordes an George Floyed einberufen. Laut Ryan Roslansky, CEO von LinkedIn, nahmen über 9’000 LinkedIn Mitarbeitende an diesem Meeting “Town Hall” teil. Hierbei entstanden über 3’500 Kommentare und 200 Fragen. In diesem Meeting konnten im Bereich Q&A des Online-Meetings anonyme Fragen oder Anmerkungen gestellt werden, die seitens LinkedIn beantwortet wurden.

Eine Audiodatei aus diesem Meeting sickerte an die Öffentlichkeit, in der zu hören war, dass LinkedIn die Beiträge von Donald Trump oder anderen Politikern beschränken würde, wenn diese zu Gewalt anregen oder Fake News beinhalten. Blake Lawit, General Counsel von LinkedIn sagte, dass die Rede auf der Plattform tendenziell respektvoller und professioneller sei als auf Facebook oder Twitter und dass das Unternehmen noch nicht auf eine Situation gestossen sei, in der gewählte Beamte gegen die Community-Standards verstossen hätten.

Weiter sagte Lawit: “Wir haben Regeln für schädliche Inhalte, Hassreden, Fehlinformationen und Aufstachelung zu Gewalt. Und wir haben keine unterschiedlichen Regeln für Politiker und Mitglieder”, sagte Lawit. “Wenn zum Beispiel ein Vorsteher auf unserer Plattform eine Erklärung abgeben würde, die gegen unsere Regeln zur Anstiftung zu Gewalt verstösst, würden wir Maßnahmen ergreifen. Wir würden die Rede einschränken.”

Diese Aussage von Blake Lawit war die Antwort auf die Frage eines Mitarbeitenden von LinkedIn. Er fragte, ob der neue LinkedIn CEO im Gegensatz zum CEO von Facebook, die Beiträge von Donald Trump überprüfen würde. Die Audiodatei wurde von einem LinkedIn Mitarbeitenden zur Verfügung gestellt, der im Interesse der Arbeitsplatzsicherheit um Anonymität gebeten hatte.

In einer anderen Audiodatei des Meetings gab Roslansky zu, dass LinkedIn kulturelle Vielfalt-Probleme hat. Ryan Roslansky sagte: “Ich möchte nur sicherstellen, dass Sie alle von diesem Punkt an, mich und das Führungsteam dafür verantwortlich machen, wie ein vielfältigeres Führungsteam aussieht, und ich möchte, dass Sie wissen, dass wir wirklich hart daran arbeiten”. Laut dem aktuellsten Diversity-Bericht sind 47,5% Weiße, 40,3% Asiaten, 5,9% Latinos und 3,5% Schwarze im Unternehmen beschäftigt.

Roslansky erörterte auch die Herausforderungen, denen er als neuer CEO eines etablierten Unternehmens gegenübersteht. “Gehen Sie niemals in einem Unternehmen in ein Meeting, wenn Sie nicht alle Antworten haben”, sagte er. “Und hier bin ich am dritten Tag und sage Ihnen, dass ich nicht alle Antworten habe.”

Neuer CEO von LinkedIn nimmt Stellung zum internen Meeting

Ryan Roslansky, der neue CEO von LinkedIn seit letzter Woche, entschuldigte sich öffentlich für eine Reihe von “entsetzlichen”, anonymisierten Kommentaren von LinkedIn Mitarbeitenden während des Meetings. Andere Mitarbeitende nannten diese Statements rassistisch. LinkedIn bestätigte, dass die Audiodateien korrekt waren.

Er teilte den Mitarbeitenden sowie der ganzen Welt mit: “Viele von Ihnen teilten die Erkenntnis, dass dieses Unternehmen, das wir lieben und an dem wir einen so hohen Standard halten, noch eine Menge Arbeit vor sich hat, um uns und unsere Kollegen darüber aufzuklären, wie wir eine wirklich antirassistische Kultur schaffen können. Wir werden diese Arbeit leisten.”

“Wir haben uns diese Woche in einem Online-Meeting mit Mitarbeitern getroffen, um offene, ehrliche und konstruktive Gespräche zu führen”, sagte Nicole Leverich, Vice President of Communications bei LinkedIn gegenüber Business Insider. “Während des Meetings sprachen mehrere unserer Führungskräfte und beantworteten Fragen von Mitarbeitern. Ich schlage vor, dass Sie sich Ryans Post ansehen, um mehr zu erfahren.”

In einer Antwort auf Roslanskys gestrigen Beitrag schrieb die Diversity-Beauftragte Rosanna Durruthy, dass LinkedIn “schwierige Gespräche” über diese Themen leider auch heute noch führen müsse. Zudem schrieb sie, “und wir dürfen uns nicht weiter voneinander lösen oder auseinander fallen, wenn wir doch zusammenrücken müssen”.

Fazit

Trotz Corona-Krise bleibt die Welt nicht stehen. Aktuelle Themen rund um Rassismus und Content-Richtlinien auf Social Media machen auch von der grössten Business-Plattform der Welt nicht halt. Nach meiner Meinung, hat der neue CEO der Plattform gut reagiert und die Mitarbeiter-Info auch gleich öffentlich als LinkedIn Artikel publiziert. In einer solchen Situation ist es besonders wichtig, Transparenz zu zeigen und den Mitarbeitenden sowie den Mitgliedern wieder Vertrauen zu schenken und eine gesunde Beziehung aufzubauen. Es bleibt spannend zu verfolgen, wie sich LinkedIn weiterhin zu den aktuellen Themen verhält und was die Presse mitteilen wird.

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