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08.09.2016 Thomas Wort zum Freitag

Thomas Meyers Wort zum Freitag: Kampagne vs. Kongruenz. Oder: warum ich in Beziehungen so oft scheiterte

Das heutige Thema flashed mich so sehr, dass ich mich mit ein paar Packungen Chips (nein, kein Lipgloss – Chipsfett!) und einer (na gut, zwei) Flaschen Wein daheim eingebunkert hab. Warum? Weil es mich auf eine sehr emotionale Art und Weise trifft… Es geht heute um ein leider sehr unterschätztes Phänomen in der gegenwärtigen Marketing-Werbe-Social-Media-Digital-Wahnsinns-Welt. […]

Thomas Meyer
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Das heutige Thema flashed mich so sehr, dass ich mich mit ein paar Packungen Chips (nein, kein Lipgloss – Chipsfett!) und einer (na gut, zwei) Flaschen Wein daheim eingebunkert hab.
Warum? Weil es mich auf eine sehr emotionale Art und Weise trifft…

Es geht heute um ein leider sehr unterschätztes Phänomen in der gegenwärtigen Marketing-Werbe-Social-Media-Digital-Wahnsinns-Welt. Es geht um Kongruenz. Es geht um Einheitlichkeit.
Es geht um die Vermittlung in sich stimmiger Botschaften als Dogma meiner Kommunikationsstrategie. Das Thema liegt mir aus zwei Gründen am Herzen. Erstens, weil ich es für ein fast hinterhältiges, sehr verstecktes und leider aus komplexen Struktur- und Wahrnehmungsproblemen innerhalb der Social Media Branche resultierendes Problem halte.
Zweitens bin ich der sprunghafteste Depp, den ich kenne und somit Teil dieses Problems.

Was ist das für 1 Problem?

Wie so oft spiegelt sich die eigene Seele erst in der Beziehung bzw. in der Kommunikation mit anderen Menschen wider. Egal ob mit Freunden, mit Partnern, mit der Familie oder mit Page-Likes
und Followern. Nun neigt der Mensch dazu, nicht nur eine Rolle, nämlich die seines eigenen Charakters, zu spielen, sondern hat die Fähigkeit, sehr vielseitig zu agieren. Manche nennen es
situationsbedingt, manche schizophren. Bei manchen ist es charmant, bei vielen pathologisch. Ich bin kein Psychologe, doch wage ich die Vermutung, dass wir alle schon mal bereit waren, eine
fremde, dem eigenen Wesen vielleicht völlig kontroverse Rolle einzunehmen. Wir haben uns vielleicht damit verraten, doch in der jeweiligen Situation erschien es uns als legitim.

Warum tun wir das? Warum lügen wir? Warum schönen wir die Wahrheit? Warum pushen wir Wahrheiten ins unermessliche und übertreiben völlig sinnlos. Warum lenken wir vom Wesentlichen
ab? Warum sind wir manchmal Egomanen? Warum verschleiern wir? Tja, weil wir uns einen Vorteil erhoffen und stets vergessen, dass dieser Vorteil immer nur von relativ kurzer Dauer ist. Ist das nicht völlig absurd? Kommt die Wahrheit nicht sowieso irgendwann mal raus? Tja, das ist es ja: lügen ist immer kacke, denn die Lüge wird entlarvt. Es sind aber nicht nur Lügen, die uns das
Leben schwerer machen.

Es sind inkongruente, also uneinheitliche Nachrichten. Ich hatte gerade in Beziehungen oft das Problem, dass ich aufgrund meiner Sprunghaftigkeit (heute mag ich das, morgen das andere)
Mühe hatte, Stabilität aufzubauen. Menschen lieben Stabilität und streben Konsistenz und Kongruenz aktiv an. Stabilität bedeutet Sicherheit und Sicherheit ist ein Grundbedürfnis.
So oft sorgte ich mit kurzfristigen Impulsen für Spannung, doch langfristig fehlte mir die Vermittlung von Stabilität. Die Folgen sind Unsicherheit, Abstand und passive Vorsicht.

Was bedeutet das nun für unsere digitalen Kommunikationsstrategien?

Kurzfristige Impulse vermeiden bzw. diese in eine einheitliche, stetige Strategie einbinden. Influencer-Marketing, Branded Content und Blogger-Relations – all das verleitet oft zu eigentlich
„produktfremden“ Inhalten. WTF! Warum? Weil es verlangt wird! Deswegen nenne ich dieses Problem auch hinterhältig. Es wird rasantes, ja fast exponentielles Wachstum erwartet. Und das
Verrückte daran: es ist ja auch schaffbar. Klar bekomme ich mit ein paar reißerischen Texten, super fancy, künstlich gepushten Photo-Shop-Bildern, und ein paar tollen Influencern zig tausende
Likes/Follower/Fans – but seriously? Was bringt es wenn man die Erwartungen hochschraubt, doch dann aufgrund unregelmäßiger „Höhepunkte“ sowieso die Spannung nicht halten kann und nur Enttäuschung hervorruft? Enttäuschung online aber auch offline (beim Konsum), denn Kommunikation hat sich verändert. Früher war sie langsamer. Werbung war langsamer. Print und
TV waren und sind eindimensionale Medien und die Verbreitung findet fremdgesteuert statt.

Thomas Meyer

 

Nach dem Kauf bzw. dem Konsum erfolgte vor der Zeit sozialer Medien die Kommunikation innerhalb der Zielgruppe zu einem Gros über „Mund-zu-Mund Propaganda“ und Feedback gab es
postalisch von erbosten Wutbürgern (von Hass zerfressene Menschen gab es immer schon…) Es wurde sich ausgetauscht. Nicht in Foren. Nicht auf Bewertungsportalen und auch nicht auf Twitter oder Facebook. Nein, unter Freunden. Innerhalb der eigenen Blase. Erzählungen. Geschichten. Erfahrungen.

Somit war die Verbreitung per se träger und Informationen über eventuelle Übertreibungen, Verschönerungen bzw. Fehlinformationen fanden viel langsamer eine gewisse kritische Masse
bzw. Breitenwirkung. Heute ist dies anders. Heute ist Kommunikation schnell. Rasend schnell. Unkontrollierbar schnell. Egal ob per Tweet, Wallpost oder Kommentar – Konsumenten können ihre Enttäuschung bzw. ihren Ärgern breitenwirksam und zielgrerichtet publizieren. Dort, wo es alle sehen können. Dort, wo es richtig weh tut.

Aber geanu dem kann man mit einheitlichem, stetigen Content entgegenwirken. Was meine ich damit? Eine klare Linie. Eine klare Richtung. Euer Produkt, eure Dienstleistung im
Fokus. Menschen streben Sicherheit und Stabilität an. Die müsst ihr ihnen geben. Befriedigt ihren Gewohnheitsdrang und lenkt nicht ab. Verschönert nicht. Keine absurden Ipad-Gewinnspiele.
Keine Peaks in eurer Content-Strategie. Kein “Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt.“

Nicht in Kampagnen denken

Hier schließt sich der Kreis. Langfristige Ziele. Missionen. Vision! Und keinen Druck machen lassen bzw. gegen unrealistisch Forderungen argumentieren. Nur weil ich mit dem überteuerten
Radiospot 4.000.000 Menschen „erreicht“ hab, bedeutet das nicht, dass ich das auch mit ein paar Facebook Posts machen kann, muss oder soll!

Standhaft bleiben. Es gibt keine organischen Wachstumsraten im zweistellilgen Bereich, die nicht a) auf einem Hype beruhen oder b) künstlich gepushed wurden.
Genauso wie ich endlich lernen muss, in Beziehungen Stabilität zu vermitteln, müssen wir alle darauf achten, unseren Fans Sicherheit und Konstanz zu geben. Kein Kick für den Augenblick
(Zitat #tictactoe ;-))

Sie müssen sich wohl fühlen und den roten Faden erkennen. Das Ziel darf nicht sein, sie in unregelmäßigen Abständen zu flashen. Das Ziel muss sein, sie langfristig „oben zu halten“
Denn sonst enttäusch ihr sie.
Denn sonst vergessen sie euch…

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