11.03.2020 Veranstaltungen & Konferenzen

Facelift Summit 2020 Hamburg: Popcorn, Vorträge & Networking

In Zeiten von Corona-Virus war es lange nicht sicher, ob der Facelift Summit 2020 in Hamburg wirklich stattfinden wird, beziehungsweise in welcher Form. Schliesslich stand aber fest, dass der Anlass wie geplant durchgeführt wird. Somit konnte sich am 4. März 2020 im Hamburger CinemaxX alles um Social Media drehen. Wir waren dabei und haben die wichtigsten Erkenntnisse des Tages zusammengefasst.

Livia Mosberger
8 Min. Lesezeit
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Facelift what? Der Facelift Summit ist eine jährlich stattfindende Veranstaltung, die von Facelift, einem führenden Anbieter von Social Media Marketing-Technologien, organisiert wird. An diesem Tag werden in kurzen, knackigen Vorträgen diverse Netzwerke und ihre Marketingmöglichkeiten sowie neue Themen und Trends vorgestellt. Das Ganze fand im grossen Kinosaal des CinemaxX in Hamburg statt, weswegen man auch ganz selbstverständlich Popcorn und Softgetränke während den Vorträgen geniessen konnte. Vor, während und nach den Vortragsslots blieb jeweils genug Zeit, sich mit anderen Teilnehmenden auszutauschen und so sein Netzwerk zu pflegen.

The Age of Conversation

Der Tag lockte mit einer Fülle an verschiedenen Themen. Obwohl wegen Covid-19 nicht alle Speaker teilnehmen konnten, ist es Facelift gelungen, kurzfristig Ersatz zu organisieren. Im ersten Slot sprach Kaspar Klippgen von Facebook darüber, wie Messaging Strategien sinnvoll in Unternehmen eingesetzt werden können. Die wichtigsten Learnings daraus: Auch wenn über Messenger über 100 Milliarden Nachrichten am Tag versendet werden, befinden wir uns noch ganz am Anfang einer Reise ins Age of Conversation. Dies wird massgeblich von Facebook geprägt, da mit Whatsapp, Facebook Messenger und Instagram Direct die grössten und verbreitetsten Messenger aus dem Hause Facebook kommen. Mit Messengern bietet sich zwar ein neuer, einfacher Kanal für die Kundenkommunikation. Doch aufgepasst, auch dieser muss intensiv gepflegt werden. Kunden erwarten spätestens innerhalb 24 Stunden eine Antwort und 80 Prozent der Kunden gewichten den Kundenservice gleich hoch wie die effektive Leistung oder das Produkt.
In der Kundenkommunikation via Whatsapp gibt es momentan zwei Wege, die API zu nutzen: Customer Care und Notifications. Bei Customer Care wird der Dialog vom Kunden gestartet und ein Unternehmen sollte in 24 Stunden antworten, da sonst Kosten anfallen. Bei Notifications kann das Unternehmen zwar den Kunden jederzeit informieren, aber nur, wenn der Kunde dem vorher zugestimmt hat. Whatsapp stellt momentan 10 Nachrichten-Templates für Notifications zur Verfügung, beispielsweise Updates zu Reservierungen oder Lieferstatus.

Egal, wie die Messenger-Strategie eines Unternehmens aussieht, den Worst Case «Totale Automatisierung gepaart mit schlechter Customer Experience» gilt es unbedingt zu vermeiden, weshalb gerade der Einsatz von Chatbots nicht leichtfertig angegangen werden soll.

Marketing mit Amazon

Der zweite Speech des ersten Slots drehte sich um eine der grössten Produkt-Suchmaschinen der Welt. Nein, nicht Google, sondern Amazon ist gemeint. Jan Bechler von Finc3 GmbH zeigte in seinem Vortrag «How to make Amazon your bitch» auf, wie man Amazon für Marketing nutzt. Er prognostizierte, dass Amazon neben Facebook und Google die dritte grosse Digital-Marketing-Umgebung wird. Im Speech ging es nicht nur um die verschiedenen Ad-Formate, sondern auch um die passende Marketingstrategie. Denn wer auf Amazon werben will, muss sich bewusst sein, dass Amazon die Interessen des Kunden immer zentral in den Vordergrund stellt. Als Marketer muss man sich hinter diesen Bedürfnissen anstellen. Man soll Amazon zwar aktiv und professionell als Marketer nutzen, einzig und alleine auf Amazon zu setzen ist aber kein guter Ansatz, da es auch hier die richtige Mischung aus SEO und Paid Media auf anderen Kanälen ausmacht. Ausserdem muss auch der eigene Online-Shop von hoher Qualität sein und zu einer starken Marke beitragen, damit vermieden werden kann, das Amazon selbst in das eigene Business einsteigt.

Twitch, die Nische mit Potenzial

Der zweite Vortragsslot startete mit Mario Hargina von Twitch. Wo man zuvor in viele ratlose Gesichter blickte, die mit Twitch nicht gross etwas anfangen konnten, sah man hinterher grosse Augen. Es wurde aufgezeigt, dass die Gaming-Branche mehr Revenue als die Film- und Musikbranche generiert. Twitch ist ein Streaming-Portal für Gaming mit einer riesigen, aktiven Community. Jeden Monat werden auf Twitch 915 Millionen Stunden Live-Content angesehen und im Schnitt werden 21.3 Millionen tägliche Nutzer gemessen. Auf Twitch wird jedoch nicht nur Gaming gestreamt, das Feld ist sehr breit. Breite Felder bewirtschaftet auch ein Landwirt, der via Twitch tausenden von Zuschauern Einblicke in seine Arbeit gewährt, wie als Beispiel aufgezeigt wurde. Während dem Stream kann die Community in einem Live-Chat mit dem Streamer interagieren und diesen honorieren. Auf Twitch sind die Streamer somit Influencer.

Als Unternehmen kann man klassische Video-Ads schalten oder als Event-Sponsor tätig werden. Egal wie man als Unternehmen auf Twitch aktiv werden soll, den grössten Fehler gilt es stets zu vermeiden: Als Marke zu versuchen, die Sprache der Gamer zu sprechen, ohne dass man in diesem Gebiet heimisch ist.

Mario Hargina von Twitch Germany

Youtube Video Strategy

Wegen internen Corona-Richtlinien wurden die nächsten zwei Speeches von Google via Videocall durchgeführt. Shefali Bhatnagar von Youtube machte klar, dass im Advertising Interest und Intent, also die wirkliche Kaufabsicht, nicht miteinander verwechselt werden dürfen. Neben den bekannten Ad-Formaten und Kampagnenzielen legte sie einen Fokus auf das Format «TrueView for action», welches mit einem Call-to-Action-Button versehen ist und so mehr Leads und Conversions generieren soll. Egal, für welches Kampagnen-Format man sich entscheidet, Test und Learn ist wie überall essentiell und darf nicht vernachlässigt werden.

Der zweite Speech von Google befasste sich mit Google My Business. Frank Liebold sprach unter anderem darüber, welchen grossen Impact kleine Details auf Google My Business-Seiten haben. Sind beispielsweise die Öffnungszeiten nicht aktuell, sind Kunden schnell verärgert. Das Learning aus dem Vortrag überrascht nicht: GMB-Seiten sollten stets aktuell und vollständig sein. Dazu gehören auch Bilder und Reaktionen auf Rezensionen. So kann man nicht nur erfolgreich mit bestehenden Kunden interagieren, sondern auch neue Kunden gewinnen, gerade in Kombination mit Local Ads.

Employer Branding von XING

Jan Kowalsky von XING leitete seine Präsentation zum Thema «Employer branding in the age of transparency» mit einer Runde Wahrheit oder Pflicht ein. Auch wenn für Bewerber die Benefits sehr wichtig sind, 95 Prozent gewichten die Unternehmenskultur höher als diese rationalen Benefits. Ein Schlüssel kann Transparenz sein, doch Unternehmen müssen primär darauf achten, sich nicht nur gut zu geben, sondern auch gut zu ihren Angestellten zu sein. Denn mit glücklichen Angestellten wird Produktivität und Innovation gefördert und Stillstand vermieden.

Snapchat, das grösste Kameraunternehmen der Welt

Snapchat, gibt’s das noch? Götz Trillhaas, Managing Director DACH von Snap Inc. ging gleich zu Beginn auf diese ungestellte, dennoch im Raum vorhandene Frage ein und konnte sie mit einem klaren JA beantworten. Gemäss ihm ist Snapchat das grösste Kameraunternehmen der Welt, da mit keiner Kamera mehr Aufnahmen gemacht werden wie mit Snapchat. Die App hat aktuell 218 Millionen Daily User. Vor allem in den USA, Grossbritannien und im Mittleren Osten ist die App beliebt. Die USP’s sind die Vergänglichkeit der Inhalte und die Kommunikation über Bilder anstelle von Texten. Vor allem die Generation Z nutzt Snapchat, und gemäss eigenen Angaben erreicht Snapchat mehr als 50 Prozent der 13-24-jährigen in Deutschland.

Snapchat ist keine App, in der man wie in anderen Social Media Netzwerken Follower «sammelt», auf Snapchat möchte man nur mit engen Freunde vernetzt sein. Beeindruckend sind auch die Zahlen zur Nutzung: Eine durchschnittliche Person nutzt die App im Schnitt 30 Minuten pro Tag und öffnet die App 30 Mal. Am Beispiel Kölner Zoo hat Götz Trillhaas aufgezeigt, wie Unternehmen mit Snap zusammenarbeiten und so Aufmerksamkeit generieren können. Das Learning aus dem Vortrag: Snapchat ist mehr als nur der vergessene Erfinder von Stories und hat definitiv eine Chance verdient.

Facebook Part 2

Im zweiten Vortrag von Facebook standen primär neue, interaktive Ad-Formate im Vordergrund. Benjamin Keller präsentierte unter andere AR-Ads, Playable Ads und Umfrage-Sticker in Ads. Vor allem Umfrage-Sticker sind ein hervorragender wie auch einfacher Weg, Interaktionen zu erhöhen und mehr Aufmerksamkeit zu generieren. Mit diesen Ad-Formaten zeigt Facebook wieder einmal, dass die Ideen noch lange nicht ausgehen. Für Marketer hingegen wird die Suche nach einem passenden Anzeigenformat mit immer mehr Optionen nicht gerade einfacher.

The state of podcasts

Kia Hampel, Business Development Manager bei OMR Podstars, stellte in ihrem Vortrag die vielfältigen Möglichkeiten von Podcasts vor. Podcasts sind definitiv keine neue Erfindung, haben in den letzten Jahren aber einen extremen Boom erlebt, der nach wie vor anhält. Podcasts haben den Vorteil, dass sie keine Zeit fressen, sondern Zeit sparen. Zeit, die sowieso aufgewendet wird, beispielsweise beim Kochen, Putzen oder Autofahren, kann durch Podcasts aufgewertet werden. Mitverantwortlich für den Boom sind die technologischen Möglichkeiten die wir heute haben. Wir haben Smartphones mit Internetzugang, ständig Kopfhörer verfügbar und mit Streaming-Anbietern wie Spotify gibt es auch Plattformen, die den qualitativ guten Content zugänglich machen. In Deutschland gibt es rund 10 Millionen wöchentliche Podcast-Hörer, Tendenz steigend. Im Vergleich zu anderen Social Media Plattformen werden Podcasts aber viel bewusster konsumiert, die Aufmerksamkeit ist schon bei der Suche nach einem Podcast sehr hoch.

Podcast Marketing unterscheidet sich stark von anderen Marketingkanälen, da hier vieles aus der Hand gegeben wird. Arbeitet man als Unternehmen mit einem Podcaster zusammen, kann man nur die grobe Werbemessage mitgeben, der effektive Wortlaut entscheidet aber der Podcaster, denn nur so bleibt es authentisch. Der Vorteil hierbei: Die Kosten sind sehr tief und mit dem richtigen Podcast kann man sehr spezifische Zielgruppen authentisch erreichen.

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Last but not least: Instagram Marketing

Den letzten Slot des Tages teilten sich Philipp Nette von CutNut und Benedict Stöhr von Squarelovin. Beide beschäftigen sich mit ihren Firmen primär mit Instagram. Bei CutNut stehen vor allem Stories im Fokus und es wurde aufgezeigt, wie mit Stories die Interaktionen mit einer Community gesteigert werden können. Spannend war zu sehen, welche Generation auf welcher Plattform Stories nutzt. Die ältere Generation X setzt primär auf Facebook Stories, wohingegen die Generation Z vorzugsweise Snapchat und Instagram Stories macht.

Benedict Stöhr widmete sich dem Thema User Generatet Content, auch UGC genannt. Das Learning aus diesem Vortrag: Viele Menschen produzieren auf Instagram qualitativ sehr hochwertigen Content, was sich Unternehmen unbedingt zunutze machen sollen. Entscheidend ist die Strategie, wie UGC verwendet wird.

Fazit

Der Facelift Summit 2020 in Hamburg vermochte trotz Corona-Virus-Umständen zu überzeugen. Spannende Vorträge, eine lockere Atmosphäre und viel Platz für Networking: Facelift hat mit dem Summit auch in diesem Jahr wieder einen tollen Anlass auf die Beine gestellt, welcher viele Facetten der Social Media-Branche abdeckt und dem Slogal “One Day – All Networks” definitv gerecht wird.

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