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Was sind sinnvolle Kennzahlen? Die Anzahl der Fans? Die Interaktionsrate? Diese Frage wird in meinen Facebook Marketing Seminaren immer wieder gestellt und ist durchaus berechtigt. In den letzten Tagen habe ich dazu sehr abstruse Aussagen gehört und bei Gesprächen immer wieder festgestellt, dass viele Social Media Manager, bzw. auch die Marketing- und Kommunikationsverantwortlichen, häufig mit sehr komischen Ansichten und teilweise ohne Zahlen und Werte zu hinterfragen, messen, bzw. werten oder sogar Benchmarking betreiben.

Bei meinem Blogbeitrag über die rückläufigen Fanzahlen bei Facebook bin ich allerdings über einen Nutzerkommentar gestolpert, den ich hier gerne nochmals wiedergeben möchte:

 

Bei dieser Thematik muss ich mir die Frage stellen, woran misst sich eine FB-Seite eigentlich und wann ist sie erfolgreich. Die Antwort darauf ist doch nicht die Fananzahl sondern die Interaktionsrate. Wenn eine große Seite durch “gesponserte” Werbung Likes erhält garantiert Facebook eine gewisse Likeanzahl je mehr Geld man investiert. Dass aber diese gesponserten Liker i.d.R. nach dem Liken nicht mehr mit der Seite interagieren, wird von vielen Seitenbetreibern nicht berücksichtigt. Das sieht man auch häufig, wenn eine Seite 8000 Likes hat, aber die einzelnen Beiträge nur von 4 oder 5 Personen mit gefällt mir markiert werden.

 

Dieser Kommentar und die Diskussionen in den letzten Seminaren der vergangenen Woche sind Anlass genug, dieses Thema zu hinterfragen und gleichzeitig ein bisschen Aufklärung zu betreiben.

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Die Anzahl der Fans

Als kein Anhänger des „digitalen Schwanzvergleichs“ anhand der Fanzahlen, habe ich mich schon 2011 geoutet. Es macht auch keinen Sinn, Benchmarking mit den Marktbestreitern anhand der Anzahl der Fans zu betreiben, da prinzipiell nicht bekannt ist, wie und auf welche Art und Weise die Fans der zu vergleichen Facebook Seite generiert wurden. Das hier die unterschiedlichsten seriösen und unseriösen Methoden angewendet werden, von Fankauf über regelmässige Massengewinnspiele bis aber auch zu sehr sinnvoller Fangewinnung innerhalb bestehender Kunden, beispielweise mit Hilfe von Custom Audiences, dürfte mittlerweile den meisten bekannt sein. Trotzdem gilt die Fanzahl immer noch in vielen Unternehmen als einer der wichtigsten KPI, da diese Zahl als eine der wenigen Zahlen öffentlich einsehbar ist und zusätzlich prominent von Facebook platziert wird. Die Anzahl der Fans zu verteufeln ist allerdings ebenfalls nicht sinnvoll, da eine grosse Anzahl von Fans tatsächlich für ganz viele Unternehmen, vorausgesetzt die Community wurde seriös, nachhaltig und zielorientiert aufgebaut.

Warum ist die Fanzahl nicht unwichtig?

Regelmässig kostenlose Reichweite

Eine Facebook Seite generiert mit jedem publizierten Beitrag kostenlose Reichweite. Das diese organische Reichweite bei vielen Seiten in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen hat, ist zu gleicher Massen der News Feed Problematik, aber auch den teilweise sehr schlechten Inhalten und unseriös genierten Communities mit entsprechend nicht themenaffinen Fans, geschuldet.

Wurde eine Fanbasis seriös aufgebaut und werden für die Community relevante Inhalte publiziert, ist bei vielen Facebook Seiten die organische Reichweite nach wie vor hoch oder sogar extrem hoch, bzw. gibt es viele Facebook Seiten, die regelmässig extrem hohe Reichweiten erreichen, teilweise sogar weit über die eigene Fanbasis heraus. Dh. eine Facebook Seite, bestehend aus Fans aus der relevanten Zielgruppe, liefert regelmässig kostenlose Reichweite.

Der soziale Kontext

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist der über die Fanzahl generierte soziale Kontext. Der soziale Kontext kommt bei Facebook Werbeanzeigen zum Tragen. Vom sozialen Kontext ist abhängig, ob eine Werbeanzeige einem Nutzer im Zusammenspiel mit dem Namen eines Freundes angezeigt wird. Ist kein sozialer Kontext vorhanden, findet die „Empfehlung durch einen Freund“ entsprechend nicht statt.

Sozialer Kontext bei Werbeanzeigen

Sozialer Kontext bei Werbeanzeigen

 

Beispielsweise reicht rein rechnerisch in der Schweiz eine Fanbasis von ca. 200‘000 Fans bereits aus, um sämtliche Facebook Nutzer in der Schweiz im sozialen Kontext zu erreichen. In Deutschland dürften dafür rund 1‘000‘000 Fans ausreichen. Viele Werbekampagnen zeigen bei Werbeanzeigen, die im sozialen Kontext angezeigt werden, bessere Resultate als bei Werbeanzeigen mit fehlendem sozialem Kontext.

Besser Leistung bei Werbeanzeigen an Fans

Ein weiterer Aspekt für Facebook Seiten mit einer guten Fanbasis ist die Leistung bei Werbeanzeigen. Wir stellen bei vielen Werbekampagnen eine wesentlich bessere Leistung fest, wenn Werbeanzeigen an Fans geschaltet werden. Dh. nicht nur die Interaktion, bzw. die Klickleistung ist häufig besser, sondern auch die Konversionsrate. Gerade bei Seiten, welche ihre Fanbasis nachhaltig und seriös aufgebaut haben, ist dieser Effekt sehr deutlich erkennbar.

Super KPI Interaktion / Engagement?

Befrage ich Social Media und Community Manager nach dem wichtigsten KPI, fällt immer wieder die „Interaktionsrate“ oder das „Engagement“. Hake ich nach, wie diese errechnet wird, bzw. wie diese definiert wird und warum die Interaktionsrate so wichtig ist, gehen dann die Aussagen extrem auseinander. Teilweise sind Begründungen dazu äusserst Fadenscheinig. Die Meinung rund um die

Wichtigkeit der Interaktionsrate dürfte häufig der Aussage, die Fanzahl ist nicht entscheidend oder organische Reichweite erhält man nur über Interaktion, geschuldet sein. Entsprechend wird ein „greifbarer“ Ersatz-KPI gesucht.

Auch die Interaktion ist vermeintlich sichtbar, zeigt Facebook doch für jedermann sichtbar unter einem Beitrag die Anzahl der Likes, Kommentare und Shares an. Entsprechend wird diese sichtbare Interaktion auch gerne für das Benchmarking gegen andere Facebook Seiten verwendet.

Interaktion / Engagement in den Facebook Page Insights

Interaktion / Engagement in den Facebook Page Insights

 

Aber wie wichtig ist die Interaktionsrate wirklich?

Was ist Interaktion?

Interaktion wird bei vielen Social Media und Community Manager über die Anzahl der Likes, Kommentare und Shares definiert. Dies greift aber zu wenig weit. Zur Interaktion müssten entsprechend auch Linkklicks, Erwähnungen, Bildklicks, Videoviews, negative Rückmeldungen wie „Beitrag verbergen“, aber auch auf der Seite zusätzlich durchgeführte Interaktionen gewertet werden. Diese „erweiterten“ Interaktionen sind nur für den Betreiber der Seite nachvollziehbar, bei einem allfälligen Benchmarking können diese Werte bei Mitbewerbern jedoch nicht eingesehen werden und bleiben somit im Verborgenen. Im Zusammenhang mit dem News Feed Algorithmus wissen wir mittlerweile, dass sich eine gute Interaktionsrate positiv auf die organischen Reichweite auszahlt.

Erzwungene Interaktion

Viele Social Media und Community Manager beklagen sich immer wieder, dass sie auf den für das Unternehmen wichtigen Beiträge kaum Interaktion erhalten, wird aber ein belangloses oder lustiges Bild ohne Bezug auf die Unternehmenswerte und –ziele publiziert, erhalten Beiträge eine stattliche Anzahl von Likes. Entsprechend wird die Interaktion durch nicht zielführende Beiträge forciert. Auch interaktionslastige Gewinnspiele an der Pinnwand werden aus diesem Grund gerne gewählt. In wie weit erzwungene Interaktion positiv in Bezug auf die unternehmerische Ziele einzahlt, muss wahrscheinlich nicht weiter diskutiert werden.

Problematik Interaktionsrate

Auch rund um die Berechnung der Interaktionsrate wird viel diskutiert. Häufig wird die Interaktionsrate mit Hilfe von Dritttools (Quintly, SocialBench, FanpageKarma, Socialbakers, etc.) errechnet, im Beispiel meiner Facebook Seite gibt beispielsweise Quintly für den Januar einen Wert von 0.1252 an,  FanpageKarma 0.1% und SocialBench 0.12% aus. Alle drei Tools verwenden für die Berechnung der Interaktionsrate (oder Aktivität) die Anzahl der Likes, Kommentare und Shares im Verhältnis zur Anzahl der Fans einer Seite. Das diese Berechnung extrem schwammig ist, dürfte spätestens dann klar werden, wenn man das Stichwort Reichweite in den Raum stellt. In wie weit eine Interaktionsratenberechnung im Zusammenhang mit der Fanzahl einer Seite sinnvoll ist, wenn gleichzeitig jedermann weiss, dass die wenigsten Facebook alle Fans erreichen können, bzw. Facebook Seiten extrem unterschiedliche Reichweiten innerhalb der eigenen Community aufweisen, muss grundsätzlich hinterfragt werden.

Um vergleichbare Werte bei der Interaktionsrate zu erhalten, müssten also die Interaktionen im Verhältnis zur tatsächlichen Reichweite gestellt werden. Dabei müsste nochmals bei den Interaktionen zwischen denen der Fans und der viralen Reichweite, also die Interaktionen der Menschen ausserhalb der Fanbasis, unterschieden werden. Dh. die Interaktionsrate müsste differenziert nach Fans, nach viraler Reichweite und generell nach Reichweite getrennt betrachtet werden. Wesentlich schwieriger wird das Thema dann, wenn ein Beitrag zusätzlich beworben wird. Je nach Bewerbungsart und ausgewählter Gebotsvariante, kann die Interaktionsrate überdurchschnittlich erhöht werden. Wird beispielsweise die Gebotsvariante oCPM auf Interaktionen gewählt, wird der Beitrag an Menschen ausgeliefert, die Facebook als interaktionsstark kennt, die Interaktionsrate würde entsprechend steigen. Wird jedoch CPM als Gebot gewählt, würden viele Menschen erreicht werden, unabhängig davon, ob sie häufig oder selten interagieren. Interessant dazu ist auch der Beitrag „Facebook: Engagement Rate noch zeitgemässer KPI“ im Blog von AKOM360.

In dieser Betrachtung immer noch nicht beinhaltet sind nach wie vor die „erweiterten“ Interaktionen wie Bildklicks, Videoviews, Linkklicks, etc. – die Problematik Interaktionsrate liegt also auf der Hand.

Warum ist Interaktion wichtig?

Eine gute und sinnvolle Interaktion ist sicherlich nicht falsch, allerdings darf die Interaktion auf keinem Fall überbewertet werden. Die Interaktion kann helfen, die organische Reichweite zu erhöhen, betrachtet man aber Jakob Nielsens 90-9-1 Regel (90% in einer Community sind stille Betrachter, 9% interagieren ab und zu und 1% der Nutzer tragen aktiv Inhalte bei), relativiert sich die Interaktion als KPI massiv. Wird zusätzlich bezahlte Reichweite eingesetzt, verliert auch die organische Reichweite an Relevanz. Die Interaktion muss differenziert zur Zielsetzung, wie im nächsten Abschnitt beschrieben, betrachtet werden und sollte im Verhältnis zur erreichten Reichweite gesondert nach Interaktion von Fans, bzw. Nicht-Fans verglichen werden.

Differenzierte Betrachtung von KPI – Ausrichtung auf die Zielsetzung!

Betrachtet man also die Problematik im Zusammenhang mit der Berechnung der Interaktionsrate, müsste diese als KPI deutlich in den Hintergrund rücken. Eine wesentlich differenzierte Betrachtung der KPI-Werte ist notwendig, bzw. sollten neben generellen KPI, Zielwerte individuell pro Beitrag fixiert werden.

Warum individuelle KPI pro Beitrag?

Wird Facebook strategisch eingesetzt, sollte jeder publizierter Beitrag ein unternehmerisches Ziel verfolgen. Dabei gilt der Grundsatz: „Facebook ist nie das Ziel, sondern das Mittel zur Zielerfüllung“. Nehmen wir beispielsweise einen Videobeitrag, wären „Videoviews“ und „Clicks to Play“ das Ziel.

Publiziere ich einen Beitrag zu einem Thema im Blog und verlinke den entsprechenden Beitrag, wäre das Ziel für mich, möglichst viele Menschen auf diesen Beitrag zu lenken. Zielsetzung also „Clicks to Website“. Generiert der Beitrag zusätzliche Interaktionen wie Likes, Kommentare und Shares, freut mich das natürlich und dürfte auch dabei helfen, dass der Beitrag eine höhere Distribution im News Feed und damit verbunden eine höhere organische und virale (und somit kostenlose) Reichweite erhält, entscheidend ist allerdings nur der Umstand, wie viele Menschen auf die Website geführt werden können.

Unterschiedlich verhält es sich, wenn ich zu einer Dienstleistung oder einem Produkt einen Beitrag publiziere, der schlussendlich nicht nur Besucher auf die Website bringen soll, sondern schlussendlich Konversionen bringen soll. Auch hier sind Interaktionen in Form von Likes, Kommentaren und Shares erfreulich, aber nicht die relevante Messgrösse.

Möchte ein Unternehmen Branding betreiben, bzw. die Bekanntheit für die Marke oder ein Produkt steigern, sind auch in diesem Fall die Interaktionen ein angenehmer Nebeneffekt, entscheidend über den Erfolg der Massnahme ist in diesem Fall aber die erzielte Reichweite.

Wiederum unterschiedlich verhält sich die Zielsetzung, wenn gezielt eine Frage gestellt wird und darauf Feedback erwünscht ist. Ist qualitatives und quantitatives Feedback gefragt, wird diese Aufgabenstellung mit grosser Sicherheit über eine Website oder Microsite gelöst, entsprechend wäre die Zielsetzung dann die Konversion, bzw. ausgefüllte Feedbackformulare. Ist ein rein qualitatives Feedback gewünscht, könnte dies allenfalls (mit allen daraus resultierenden Nachteilen) über den News Feed gelöst werden, die Zielsetzung wäre dann Interaktionen in Form von Kommentaren.

Selbstverständlich könnte man hier beliebig mit weiteren Beispielen ergänzen.

Sinnvolle KPI für Facebook Seiten uns Beiträge

In wie weit die Interaktionsrate oder die Fanzahl valide KPI für eine Facebook Seite sind, habe ich bereits erläutert. KPI sollten abhängig von der Zielsetzung der Seite, bzw. den Beiträgen der Seite gewählt werden. Was können aber weitere mögliche KPI einer Facebook Seite sein?

Reichweite

Organische, virale und bezahlte Reichweite dürften sicherlich interessante KPI für eine Facebook Seite darstellen und lässt sich sehr gut im Verlauf der Zeit vergleichen. Die Werte für die Reichweite können in den Page Insights nach organischer, viraler und bezahlter Reichweite und getrennt nach Fans und Nicht-Fans ausgelesen werden.

Viralität / virale Reichweite

Ebenfalls interessant als KPI dürfte die Viralität, bzw. die virale Reichweite sein. In wie weit mit Hilfe von organischer und bezahlter Verbreitung und der damit verbundenen Interaktionen mit Hilfe von Likes, Kommentaren und Shares die virale Reichweite, also schlussendlich Earned Media, erhöht werden kann.

Werbewert

Der Werbewert einer Facebook Seite ist nicht einfach zu bestimmen und dürfte, will man die Analyse bis ins letzte Detail durchführen, sehr aufwändig und komplex sein. Eine relativ simple Berechnungsvariante ist der Zusammenzug der organischen und viralen Reichweite der Seite oder eines Beitrages, bzw. die daraus resultierenden Impressionen. Die daraus resultierende Summe der Reichweite bzw. der Impressionen wird mit  einem für das Online Marketing üblichen TKP-, bzw. CPM-Preis aufgerechnet. Der Werbewert stellt allerdings bei der simplen Betrachtungsvariante nur einen Teilwert des effektiven Wertes einer Facebook Seite dar.

Interaktionsrate

Die Interaktionsrate kann, wenn man sie ins Verhältnis zur Reichweite und dem Ziel für einen Beitrag, ein valider KPI darstellen. Eine Unterteilung nach Beiträgen und deren Zielsetzung ist notwendig und sinnvoll. Ebenfalls in die Berechnung der Interaktionsrate miteinfliessen müssten allerdings auch die Interaktionen im Zusammenhang mit Werbeanzeigen (Unpublished und Dark Posts).

Reaktionszeiten

Beinhaltet die Zielsetzung einer Facebook Seite auch das Thema Support, sind Reaktionszeiten zur Behandlung von Kundenanfragen und –problemen ein messbarer KPI.

Klickraten

Sehr interessant als KPI sind Klickraten. Diese können wiederum mit Hilfe der Page Insights getrennt nach Fans / Nicht Fans und nach organischer, viraler und bezahlter Reichweite unterschieden werden. Der KPI Klickrate erlaubt Rückschlüsse über die Qualität der Beiträge.

Sentiment

Die Stimmung der  der Seite interagierenden Menschen. Für eine Sentiments-Analyse  müssen die Interaktionen der Fans bei Kommentaren bewertet werden, üblicherweise wird hier nach negativem, neutralem und positivem Feedback differenziert. Die Summe der unterschiedlichen Feedbacks wird prozentual gegeneinander ausgegeben, beispielsweise 71% positive Feedbacks. Sentiments-Analysen sind je nach Interaktion auf einer Facebook Seite zeitaufwändig, mittlerweile gibt es dafür aber schon weit ausgereifte Tools, die bei der Auswertung unterstützen können. Eine 100%ige vollständige Auswertung ist allerdings auch hier nur möglich, wenn Kommentare von Werbeanzeigen (Unpublished und Dark Posts) ebenfalls mit einbezogen werden.

Traffic zur Website

Liegt die Zielsetzung der Facebook Seite Menschen auf die Website zu lenken, ist der Traffic zur Website ebenfalls ein valider KPI. Entsprechende Werte können über die Page Insights teilweise in Bezug auf Beiträge ausgewertet werden, das Beiziehen entsprechender Website-Analysetools wie Google Analytics, Piwik oder ähnlichen Tools kann zusätzlich helfen.

Negatives Feedback / Spam-Meldungen

Ebenfalls relevant für die Qualitätsmessung im Zusammenhang mit den Inhalten einer Facebook Seite sind die in den Page Insights sichtbaren Werte zu negativem Feedback und Spam-Meldungen.

Fanwachstum

Auch der Fanwachstum der eigenen Facebook Seite kann als KPI verwendet werden. Im Vergleich muss wiederum nach organischem und bezahltem Fanwachstum getrennt werden.

Benchmarking von Facebook Seiten

Eine grosse Herausforderung stellt das Benchmarking von Facebook Seiten dar. Viele der hier genannten KPI sind nur für den Seitenbetreiber sichtbar. Interaktionsraten in Bezug auf die  organische, virale und bezahlte Reichweite, und Interaktionsraten im Zusammenspiel mit Werbeanzeigen (Unpublished und Dark Posts) sowie aber auch die Reichweiten an sich, wie auch negative Feedbacks sind nicht von aussen sichtbar, entsprechend dürfen diese Werte nicht für das Benchmarking beigezogen werden. Auch der Wachstum der Facebook Seite kann auf Grund des fehlenden Wissens, wie die Fans generiert werden (organisch, bezahlt, crossmediale Massnahmen) nur bedingt für das Benchmarking beigezogen werden.

Ein Beispiel für ein oberflächliches Benchmarking

Ein kleines Beispiel, das die Problematik verdeutlicht, anhand des kostenlosen Zweikampf-Tools von FanpageKarma. Für das Beispiel habe ich meine Facebook Seite mit der Seite der Kollegen von allfacebook.de verglichen.

Benchmark Facebook Seiten allfacebook.de vs. thomashutter.com

Benchmark Facebook Seiten allfacebook.de vs. thomashutter.com

Fans

Der erste Vergleich der Fanzahlen ist unantastbar und kann 1:1 ausgelesen werden. Allerdings sagt die Anzahl der Fans nichts über den Wert der Fans aus, noch wird die Herkunft der Fans aufgeschlüsselt, rein theoretisch könnte ja eine der beiden Seiten auch Fans gekauft oder Fans über eine gescheiterte Facebook Ads Kampagne in nicht relevanten Ländern, die deutschsprachige Inhalte nicht lesen können, generiert haben.

Wachstum

Das Wachstum kann zwar anhand der Zahlen bestimmt werden, allerdings sagt auch dieser Wert nicht viel aus. Die Kollegen von allfacebook.de zählen mehr als doppelt do viele Fans wie meine Seite, ein Wachstum ist also innerhalb der Zielgruppe „Menschen, die sich mit Facebook Marketing auseinandersetzen“ wesentlich schwieriger. Ebenfalls nicht berücksichtigt wird bei dieser Betrachtung, welche Massnahmen auf einer der beiden Seiten für die Gewinnung von neuen Fans eingesetzt werden. Auch würde hier beispielsweise der Zukauf von wertlosen Fans positiv gewertet werden.

Engagement / Interaktion

Auch das Engagement und die Interaktion sind hier äusserst schwierig zu vergleichen, einerseits weiss das Tool nicht, in welchem Kontext das Engagement oder die Interaktion erzielt wurde, bzw. wie gross die Reichweite bei einer der beiden Seite überhaupt ist. Theoretisch wäre es ja möglich, dass meine Seite eine höhere prozentuale Reichweite aufweist, als diese der Kollegen von allfacebook.de, entsprechend wären das Engagement und die Interaktion mit grosser Wahrscheinlichkeit rein daraus resultierend grösser. Oder ich könnte auf meiner Seite Facebook Ads mit Zielsetzung Interaktion auf die Fans eingesetzt haben, was weder für das Tool, noch für die Seiteninhaber der anderen Seite ersichtlich wäre.

Service Level

Der Wert Service Level hingegen kann relativ deutlich erfasst werden, nicht beinhaltet in der Auswertungen sind jedoch über die Seite erhaltene/beantwortete Nachrichten, was beispielsweise bei meiner Facebook Seite eine Differenz von ungefähr dem Faktor 1:20 zu öffentlichen Beiträgen auf der Seite ausmacht. Ebenfalls nicht erkannt werden hier Beiträge, welche über meinen privaten Nutzer und nicht im Namen der Seite beantwortet werden.

Möglichkeiten für Benchmarking

Die Möglichkeiten für ein sinnvolles Benchmarking sind, wie man den vorhergehenden Ausführungen entnehmen kann, relativ schwierig. Dh. ein Benchmarking sollte nur mit Hilfe von verlässlichen Werten durchgeführt werden. Eine valide Möglichkeit wäre der Austausch in Erfahrungsgruppen und den Vergleich von Zahlen ähnlich gelagerten Facebook Seiten. Auch der Austausch mit Agenturen und Dienstleistern, die über viele verschiedene Kunden im Bereich Facebook Marketing und Werbung verfügen, kann helfen, die Leistung der eigenen Seite besser einzuschätzen. Benchmarking, das auf falschen Zahlen und Annahmen beruht, hilft nicht weiter und führt zu Misstrauen, falschen Entscheidungen und bedeutet schlussendlich unnötiger Aufwand.

Fazit

Generelle Aussagen, in welchem Bereich von Facebook auch immer, sind gefährlich und meistens nur die halbe Wahrheit. Gerade bei einem komplexen Thema wie Facebook Marketing KPI sollten jeweils Werte, aber auch Empfehlungen zu den Werten, gut hinterfragt werden. Facebook liefert mit den Page Insights umfassende Daten zur Analyse der Facebook Marketing Performance, Entscheidungen auf Grund von falschen Grundlagen sind weder sinnvoll noch notwendig und können im schlimmsten Fall viel Aufwand und viel Kosten verursachen. Grundsätzlich ist gegen Benchmarking nichts einzusetzen, aber auch hier muss strikt überprüft werden, dass nicht Äpfel und Birnen miteinander verglichen werden.

 

 

Image Credits
Key performance indicator (kpi), business concept acronym by shutterstock.com
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Autor: Thomas Hutter 1647 Posts
Thomas Hutter (40) ist Inhaber und Geschäftsführer der Hutter Consult GmbH. Er berät grosse und mittlere Unternehmen, Organisationen und Agenturen in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Niederlanden rund um den strategischen und nachhaltigen Einsatz von digitaler Kommunikation und digitalem Marketing in und mit sozialen Netzwerken.
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