18.10.2021 Social Media / Online Marketing

Social Media: 7 Tipps für mehr Authentizität

Authentizität: Was bedeutet es, sich selbst treu zu sein? Wieso ist sie so wichtig und was kann jeder Mensch tun, um sich authentischer zu verhalten? Und wie kann ich authentisch als Unternehmen agieren? Diese sieben Tipps helfen, sich selbst mehr in den Fokus des eigenen Handelns zu setzen.

Markus Edelberg
5 Min. Lesezeit
3 Kommentare

«Sei authentisch!» – Diese Aussage begegnet uns in den sozialen Netzwerken unentwegt. Aber was ist Authentizität überhaupt? Jeder Mensch orientiert sich – bewusst oder unbewusst – an sozialen Normen und Rollen, die als gesellschaftlich geteilte Verhaltenserwartungen in nahezu allen Situationen wirksam sind, in denen Menschen interagieren. Da erscheint es schwierig, ja beinahe unmöglich, wahrhaft authentisch zu sein.

Für den Begriff der Authentizität gibt es mehrere Definitionen, von denen die etymologische Betrachtung die zielführendste ist: Der Begriff leitet sich vom Griechischen «authentikós» ab, wobei Autos «selbst» und ontos «sein» bedeutet.

Authentisch zu sein bedeutet also «man selbst zu sein».

Ein Mensch, der authentisch ist, wirkt auf andere meist offen und ungekünstelt. Er kennt seine Stärken und Schwächen und steht auch dazu. Er wird daher als glaubwürdig wahrgenommen.

Was ist Authentizität?

Michael Kernis und Briand Goldman von der Universität Georgia benannten vier Kriterien, anhand derer Authentizität für sich selbst erlebt wird:

  • Das Bewusstsein
    Das Wissen um eigene Stärken, Schwächen, Gefühle und Motive. Selbstreflexion erlaubt es, das eigene Handeln zu erleben und zu beeinflussen.
  • Die Ehrlichkeit
    Authentizität erfordert, die Realität und auch die unangenehmen Erkenntnisse daraus zu akzeptieren.
  • Die Konsequenzen
    Wer Werte hat, handelt danach – selbst dann, wenn dadurch Nachteile entstehen.
  • Die Aufrichtigkeit
    Show endet bei der Authentizität. Wer authentisch ist, zeigt Grösse – auch angesichts der eigenen Schwächen oder Fehler.

Das Spielen von Rollen oder gar Bedienen von Klischees mag der Beliebtheit dienen, wirkt aber schnell opportunistisch und unecht. Authentizität beginnt immer bei der Person selbst, also beim Sender jeglicher Informationen.

Authentizität bedeutet nicht automatisch, ein geschätzter Partner zu sein, da auch Egoisten, Opportunisten oder «Chefzäpfchen» authentisch sein können. Wie schafft es ein Mensch aber, ein authentisches Gegenüber im positiven, angenehmen Sinne zu sein?

Tipp 1: Wertevorstellungen

Was viele nicht wissen: 50 bis 80 Prozent dessen, was unseren Charakter ausmacht, ist der freie Wille. Authentizität allein verdient keine Anerkennung. Massgeblich ist die Gabe, Werte zu erkennen und diese zu leben. Das Anpassen des Denkens und Handelns an erkannte Fehler ist ein wesentliches Element echter Authentizität.

Lebe deine Werte.

 

Tipp 2: Panta rhei – alles fliesst

Panta rhei (gr. πάντα ῥεῖ, „alles fließt“) | Heraklit (Quelle: stock.adobe.com)

Kein Charakter ist in Stein gemeisselt! Selbst wenn aus dem grauen Mäuslein eher selten eine bunt schillernde Rampensau wird, verändert sich die eigene Identität im Schnitt doch alle 20 Jahre. Kein Mensch ist jemals «fertig» und die Feststellung anderer Menschen, dass man sich verändert habe, hat nichts mit Authentizität zu tun, sondern mit einer Konformität – was etwas gänzlich anderes ist.

Sei offen für Veränderung.

 

Tipp 3: Rollenklarheit

Rollen sind unterschiedliche Identitäten, in denen sich jeder von uns bewegt und bewegen muss: die kompetente Führungskraft im Unternehmen, der fürsorgliche Vater in der Familie oder die fröhliche Hobbyimkerin. Authentizität bedeutet aber nicht, dass wir ausschliesslich diese Eigenschaften besitzen oder dass wir unsere Rollen nur spielen. Rollenklarheit bedeutet, dass die eigene Rollendefinition und die Rollenerwartungen anderer an einen identisch sind.

Sei du selbst und sorge für Rollenstimmigkeit.

 

Tipp 4: Authentizität bedeutet nicht Autonomie

stock.adobe.com

Gerade im geschäftlichen Kontext kann man nicht autonom kommunizieren, da man selbst im Kontext steht. Eine vollständige Autonomie kann nur ausserhalb einer Gesellschaft existieren. Authentizität spielt sich aber immer in einer gewollten Relation zu privaten oder beruflichen Umfeldern ab. Auch wenn das eigene Denken und Handeln den Regeln Dritter unterliegt, muss es in hohem Masse übereinstimmen.

Schaffe deine Freiräume und nutze diese.

 

Tipp 5: Authentische Inszenierung

Gegenseitige Abhängigkeiten sind elementarer Bestandteil sozialer Existenzen. Eine authentische Inszenierung ist eine Kontrolle des individuellen Verhaltens und stellt nur auf den ersten Blick einen Widerspruch in sich dar. Die persönliche Integrität ist untrennbar mit den Rollen verbunden, die jeder Mensch täglich spielen muss und bietet dadurch massives Skalierungspotenzial: Jede einzelne Möglichkeit, die eigene Persönlichkeit zeigen zu können, bietet die Chance auf Selbstreflexion. Welche Entscheidungen und welches Verhalten führen in welcher Situation zu den geeignetsten Mitteln?

Intensive Planung und Vorbereitung bleibt authentisch, wenn sie klare Vorstellungen in ehrliche und glaubwürdige Inhalte bringt.

Nutze Feedback und hinterfrage dich selbst.

 

Tipp 6: Vermeide gekünstelte Authentizität

Authentizität ist kein Selbstzweck. Je stärker man seine Authentizität betont, desto gekünstelter wirkt diese. Wer den Eindruck erwecken will, besonders authentisch zu sein, wirft Fragen zu seinem Motiv auf. Denn wer authentisch ist, muss dies nicht extra erwähnen.

«Authentizität ist ein Wort, über das man nicht redet, wenn man es nicht Kraft seines Sinnes einbüssen soll» (Lionel Trilling, Literaturwissenschaftler).

Übertreibe es nicht.

 

Tipp 7: Die Zeit ist dein Freund

Quelle: stock.adobe.com

Spontane Änderungen in der Kommunikation zugunsten einer höheren Authentizität führen zu Diskrepanzen in der Wahrnehmung der Empfänger. Überraschende Veränderungen in der Kommunikation fallen auf und stören die Erwartungshaltung der beteiligten Empfänger, was das Risiko erhöht, als nicht authentisch wahrgenommen zu werden. Eine Änderung der Kommunikation muss daher so gestaltet werden, dass die Wahrnehmung und Erwartungshaltung der Menschen sich anpassen kann – und je nachdem, wie umfangreich oder grundlegend diese Veränderung ist, desto mehr Zeit muss man einplanen.

Empfänger von Informationen haben bestimmte Erwartungen an Unternehmen oder Personen und plötzliche Kursänderungen stören dies: Ist diese plötzliche neue Kommunikation eine andere Haltung oder nur rhetorische Trickserei?

Brich nichts übers Knie.

 

Fazit

Es ist nicht leicht, sich selbst treu zu sein. Der Wunsch, gemocht zu werden oder die Hoffnung auf eine Beförderung sind nur zwei Trigger für erklärliche Modulierungen des eigenen Ichs. Dauerhaft fördert man dadurch jedoch nur das eigene Unglücklichsein.

Das dauerhafte Wohlbefinden ist nämlich eng an die Treue zu sich selbst geknüpft: Das Selbstwertgefühl steigt, da das Selbstbild nicht von der Meinung der Mitmenschen abhängig ist. Die eigenen Fehler und Schwächen zu akzeptieren, erleichtert es überdies, Kritik anzunehmen.

Wer sich bewusst macht, dass er es anderen Menschen nicht ständig recht machen muss, kann den Spass geniessen, den das Leben bietet und auf Ziele hinarbeiten, die persönlich wichtig sind.

Authentizität ist der empfehlenswerte Weg zu mehr Selbstrespekt und weniger Selbstzweifeln – und somit zu einem erfolgreicheren Leben, das sogar für andere zum Vorbild werden kann.

Ach ja: Und man kommuniziert so, wie es – besonders in den sozialen Netzwerken – sein soll!

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  1. Es wäre doch zu schön, wenn authentikos von autos und ontos (seiend) stammte. Leider stimmt die Vulgäretymologie nicht und erklärt auch nicht, woher der Hauchlaut im Wort kommt, der dazu führt, dass das griechische tau in autos zu einem griechischen theta wird. Das liegt daran, dass mitnichten ontos für den zweiten Wort-Part verantwortlich zeichnet, sondern eine indogermanische Wurzel die etwa hanytein – vollenden bedeutet. Allerdings ist das, was da vollendet wird mit eigenen Händen (autos), nicht immer freundlich. Denn der authentes konnte im Griechischen auch der Henker sein. Da bekommt dann das Authentische wirklich den Sinn des absolut Finalen. Demnächst auf meinem Blog mehr dazu.

    1. markus.edelberg@bluewin.ch' Markus sagt:

      Da es sich bei diesem Beitrag nicht um eine sprachwissenschaftliche Studie, Analyse oder vergleichbare Arbeit handelt, ist die geringe Tiefe der Erklärung absolut ausreichend. Eine ausführlichere Erklärung würde den Text an der Zielgruppe vorbeitransportieren.

      Ich finde diesen Kommentar aber überaus interessant und auch amüsant, wenn ich parallel dazu einen Blick auf Ihr Blog/Ihre Website werfe. Sie schreiben “Man muss Online-Marketing aber auch nicht komplizierter machen als nötig.” – mit ihrem Kommentar, würde man diesen Input berücksichtigen, wäre der Beitrag weit über “verkompliziert” hinaus in den Bereich des Schreibens für eine vollkommen falsche Zielgruppe gerutscht.

    2. markus.edelberg@bluewin.ch' Markus sagt:

      Und ergänzend:
      Es gibt keine Quelle der Linguistik, welche nicht die etymologische Herkunft des Begriffs “Authentizität” bei authentikos verortet.
      (Jede wissenschaftlich seriöse Quelle bestätigt den Ursprung im altgriechischen “authentikos”)

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